Chaos im Berliner Nahverkehr S-Bahn stellt Betrieb teilweise ein

Es ist ein "Not-Notfahrplan", sagt die Bahn. Einige Strecken am Berliner Stadtrand werden gar nicht mehr befahren, nur noch 40 Prozent der Wagen sind im Einsatz.

Chaos bei der Berliner S-Bahn: Derzeit wird in der Hauptstadt nur nach einem Notfallplan gefahren, nicht einmal die Hälfte der regulär eingeplanten Wagen ist im Einsatz. Auf vier Strecken am Stadtrand fahren seit Sonntag überhaupt keine Züge mehr, auf den meisten weiteren Abschnitten wurden die Taktzeiten erheblich ausgedünnt.

Nur etwa 250 S-Bahnen waren am Morgen in Berlin im Einsatz, für den Normalbetrieb wären etwa 560 Bahnen erforderlich. Die Bahn nennt die derzeitge Situation einen "Not-Notfahrplan".

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In der Hauptstadt waren am Mittagmorgen nach Angaben eines Bahnsprechers nur 213 Doppelwagen-Einheiten auf der Schiene, gegen Mittag erhöhte sich die Anzahl der Wagen auf 250, weil nach und nach weitere Fahrzeuge aus der Werkstatt kamen. Für den Normalbetrieb wären nach Angaben der S-Bahn allerdings 562 Einheiten erforderlich. Grund für die Einschränkungen sind umfangreiche Reparturen und Wagensanierungen.

Für besondere Verärgerung bei den Fahrgästen sorgt, dass ausgerechnet jetzt eine Tariferhöhung im Berliner Verkehrsverbund in Kraft tritt. Bereits am Sonntag waren etliche Züge überfüllt und am Montag verschärfte sich die Situation durch den nach den Feiertag wieder beginnenen Berufsverkehr.

Die Bahn spricht dennoch nicht von einem Chaos. "Von einem Kollaps kann keine Rede sein", fasste ein Sprecher die Lage im morgendlichen Berufsverkehr zusammen. Allerdings seien die S-Bahnen sehr voll gewesen. Ziel sei es, den stark ausgedünnten Fahrplan "stabil" anzubieten. Dieser "Not-Notfahrplan", wie ihn der Sprecher nannte, geht von 200 einsetzbaren Doppelwagen aus. Keine Angaben macht die Bahn darüber, wie lange der jetzige Zustand anhalten soll. Experten gehen davon aus, dass es wegen der völlig überlasteten Werkstätten noch bis zum Frühjahr dauern könnte, bis ein Großteil der Wagen wieder einsatzfähig ist.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit fordert unterdessen eine Entschädigung für die Fahrgäste. "Die Kunden haben ein Anrecht auf Lieferung der mit dem Fahrschein erworbenen Leistung", sagte er. Auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hat sich inzwischen zu Wort gemeldet. Er verstehe den "Ärger der Fahrgäste", sagte er dem Berliner Tagespiegel, allerdings könne man den jahrelangen Verschleiß bei den S-Bahn-Zügen nicht von heute auf morgen beheben. Am 19. Januar will der Minister im Verkehrsausschuss des Bundestages Pläne vorstllen, wie ein solches Chaos in Zukunft verhindert werden kann.