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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Mr. Rossi sucht das Rezept

(Foto: Panthermedia)

Die Amerikaner lieben die Italiener. Das wäre auch überhaupt kein Problem, wenn sie nicht ständig deren Rezepte verhunzen würden.

Von Martin Zips

Manchmal sehnen sich die Amerikaner so ungeheuer nach Italien. Da kommen dann Dinge wie "Pizza Hawaii" heraus. Oder "Der Pate" mit Marlon Brando. Oder Cappuccino mit bunten Schokobröseln. Oder "Italian Ciabatta", aus dem Ketchup und Essig fließt. Oder gefärbtes Zuckerwasser in Halbliter-Bechern, welches man in Las Vegas sicher für Aperol Spritz hält.

Gerade hat ein Redakteur der Kochlöffel- und Grillzangen-Abteilung der New York Times mit einer gewagten Neudeutung eines sehr italienischen Gerichtes für etwas Aufregung am Stiefel gesorgt: "Smoky Tomato Carbonara". Carbonara mit Tomaten?, so schrien Italiens Pastaköchinnen und -köche auf, da könne man ja auch gleich Sardellen in den Hamburger packen.

Für die USA freilich spricht der Umstand, dass es ohne sie eine Carbonara ("il carbonaro" war einst: der Köhler) womöglich nie gegeben hätte. Es soll der rauchige Bacon aus dem Rucksack der alliierten Soldaten gewesen sein, den sich - aus Not - die Römer ab 1944 mit Eierpulver in die Nudeln mischten. Später ersetzten sie den groben Amerikaner-Speck natürlich durch feinsten Guanciale. Man hat ja seinen Stolz.

Nein, diese merkwürdigen Super-Mario-Umarmungen von der anderen Seite des Atlantiks, die mag man in Italien wirklich nicht. Aber selbstverständlich bleibt man immer freundlich, das gebietet ja der Respekt. Zum Beispiel, wenn die Ursula in der Bar mal wieder unbedingt so einen geschmacklosen Abwasser-Caffè aus der Filtermaschine haben will. Aber gut, kriegt sie ihn halt, ihren Americano.

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