Der nach schwerwiegenden Plagiatsvorwürfen zurückgetretene frühere Professor der renommierten Universität Cambridge, Jason Arday, ist Medienberichten zufolge tot aufgefunden worden. Das berichteten unter anderem Sky News und die BBC. Die Londoner Metropolitan Police teilte mit, ein 41-jähriger Mann sei im Südwesten der britischen Hauptstadt für tot erklärt worden. Zur Todesursache gibt es bisher keine offiziellen Angaben.
Zum jetzigen Zeitpunkt werde sein Tod als unerwartet eingestuft, es gebe jedoch keinen Grund zu der Annahme, dass ein Verbrechen vorliege, zitierte die Nachrichtenagentur PA die Polizei, die in Großbritannien grundsätzlich keine Namen nennt. Der Fall werde weiter untersucht.
Ardays Familie erklärte in einer Stellungnahme, sie sei „zutiefst erschüttert über den Verlust dieses wundervollen Vaters, Partners, Bruders, Onkels und Sohnes“. Die Angehörigen erklärten, Arday sei das Opfer einer „Desinformationskampagne“ gegen ihn geworden. „Das war zu viel für Jason, der ein sanfter Mensch war und stets das Beste in jedem sehen wollte.“ Arday hinterlässt eine Ehefrau und zwei Kinder.
Die Familie zeigte sich verbittert ob der Aufmerksamkeit, die Arday zuteil geworden war. „Wir werden uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht weiter äußern, außer die Presse zu bitten, uns jetzt in Ruhe zu lassen und die seit viel zu langer Zeit gegen Jason und seine Familie geführte Hetzkampagne zu beenden“, schrieb sie in ihrer Stellungnahme.
Die Universität Cambridge veröffentlichte auf X ein Statement. „Wir sind zutiefst betroffen von dieser tragischen Nachricht“, heißt es darin. „Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt der Familie und den Freunden von Jason Arday in dieser unglaublich schweren Zeit.“
Auch der britische Premierminister Andy Burnham äußerte sich zu dem Fall. Ardays Tod sei „eine Tragödie auf so vielen Ebenen“, sagte er während eines Besuchs in Cornwall zu Rundfunksendern und warnte vor „schnellen Urteilen“. Nun sei Zeit für einen „Moment der Reflexion“ und „um darüber nachzudenken, wie es so weit kommen konnte“.
Vorwürfe betrafen Doktorarbeit und Lebenslauf
Der Rücktritt des Soziologen von seiner Professur in der vergangenen Woche hatte für großes Aufsehen gesorgt, auch die SZ berichtete. Die Vorwürfe wies Arday in einem Schreiben zurück. Medien berichteten unter anderem über Plagiatsvorwürfe mit Blick auf die Doktorarbeit des Professors an der Liverpool John Moores Universität. Auch an der Glaubwürdigkeit von Teilen seiner Lebensgeschichte wurde gezweifelt. Eine frühere Untersuchung der Uni in Liverpool stellte laut der PA kein wissenschaftliches Fehlverhalten fest.
In seiner Stellungnahme hatte Arday mitgeteilt, der Rücktritt sei „der einzige Weg, dieses Kapitel zu beenden“. Dieser solle nicht als „Zustimmung zu den Darstellungen verstanden werden“. Nach Angaben der BBC sagte Arday zudem mehrere Veranstaltungen ab. Die Leiterin der Universität Cambridge, Deborah Prentice, hatte zuletzt mitgeteilt, eine Untersuchung rund um Arday werde „unabhängig durch hochrangige Wissenschaftler aus Cambridge und von außerhalb“ vorgenommen. Die Universität war aufgrund des Falls stark in die Kritik geraten.
Arday war 2023 zum jüngsten schwarzen Professor in der Geschichte der Uni Cambridge geworden. Eine Professorin der Universität bezeichnete den Fall als „Geschenk“ für diejenigen, die gegen Vielfalt an Hochschulen vorgehen würden. Ende August sollen die Memoiren des Soziologen erscheinen.

