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Busunglück:Abgefangen

Deutscher Bus stürzt nach Kollision in die Tiefe

Nach einer Kollision mit einem Pkw rutschte der Bus den Hang hinunter. Als die Einsatzkräfte kamen, lehnte er an Bäumen.

(Foto: dpa)

Ein Bus aus Augsburg stürzt in Tirol in die Tiefe - doch der Fahrer verhindert Schlimmeres und kümmert sich danach noch um die Reisenden: Er wolle doch kein Kapitän Schettino sein.

Das Können des Busfahrers hat einen schweren Unfall in Tirol für die 29 Insassen eines Reisebusses aus Augsburg glimpflich ausgehen lassen. Der 49-jährige Fahrer lenkte seinen Doppeldeckerbus von Italien zurück nach Deutschland, als am Freitagabend gegen 18.20 Uhr auf einer Bergstraße in Zirl bei Innsbruck ein entgegenkommender Pkw auf die Gegenfahrbahn geriet und mit dem Bus kollidierte. Dieser rollte auf der stark abschüssigen Straße zunächst rückwärts und touchierte drei Autos, bevor er über den Fahrbahnrand hinaus den Hang herabrutschte. Zehn Meter sauste der Reisebus in die Tiefe, doch dann gelang es dem Busfahrer, das Fahrzeug quer gegen die Bäume am Hang zu lenken. Er bewahrte den Bus dadurch sowohl vorm Umstürzen als auch vorm Abstürzen. Als die Einsatzkräfte eintrafen, lehnte das Fahrzeug friedlich an den Bäumen. Nur wenige Fahrgäste hatten leichte Verletzungen erlitten.

Die Insassen des Pkw wurden hingegen schwer verletzt. Die 18-jährige Fahrerin befand sich mit ihrer Mutter auf dem Weg nach Italien, als sie offenbar bergab in einer scharfen Rechtskurve auf die Gegenfahrbahn geriet. Der genaue Hergang des Unglücks war der österreichischen Polizei zufolge auch am Sonntag noch unklar, die beiden Frauen waren zunächst nicht vernehmungsfähig. Spuren auf dem Asphalt der viel befahrenen Straße zeigten jedoch, dass die Fahranfängerin unmittelbar vor der Kurve voll gebremst habe. "Dann kann man die Kurve nicht mehr kriegen", sagte ein Polizeisprecher. Die beiden aus München stammenden Frauen mussten mit einer Spezialschere aus ihrem Fahrzeug geschnitten werden und kamen mit schweren Verletzungen in Krankenhäuser in Innsbruck und Garmisch. Nach Angaben der Tiroler Polizei war die Fahrerin erst vor Kurzem 18 Jahre alt geworden, das Auto war auf ihren Vater zugelassen.

Die Insassen des Reisebusses sind dagegen inzwischen wohlbehalten nach Augsburg zurückgekehrt. Ein Ersatzbus habe die 26 Reisegäste, eine Reiseleiterin und die beiden Busfahrer in der Nacht zum Samstag zurückgebracht, sagte Philipp Hörmann, Geschäftsführer des Bus-Unternehmens Hörmann Reisen. Allen gehe es soweit gut. Auch der Busfahrer mache einen "gefassten Eindruck".

Der Busfahrer habe wohl das Schlimmste für seine Fahrgäste verhindert, sagte der Notfallbeauftragte des RDA-Busverbands, Johannes Hübner, am Samstag. "Da kann man sehen, welche Kräfte wirken." Geschäftsführer Hörmann sagte, der Busfahrer arbeite seit mehr als zehn Jahren in seinem Unternehmen: "Er ist ein Routinier auf der Straße." Nach dem Unfall habe er sich sofort um die Gäste gekümmert. "Er hat mir gesagt: ,Ich wollte nicht wie Kapitän Schettino als Erster das Schiff verlassen.'" Francesco Schettino war der Kapitän des havarierten Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia. Er war frühzeitig von Bord des gekenterten Schiffs gegangen.

Dank des Einsatzes des Busfahrers hätten die meisten Menschen den Doppeldeckerbus schon verlassen können, bevor die Rettungskräfte anrückten, sagte Hörmann, der sich am Abend noch zum Unfallort aufgemacht hatte. Einige Reisende seien in einer Gaststätte versorgt worden, andere ins Krankenhaus gekommen. Das hätten sie aber noch am Abend verlassen können, sodass ein Ersatzbus alle in der Nacht zurückbrachte.

Die Reisenden im Alter zwischen 40 und 75 Jahren aus der Region Augsburg waren auf dem Rückweg aus dem italienischen Ort Abano Terme, einem beliebten Heilbad, wie Hörmann sagte. Die Tour werde jede Woche gefahren, Änderungen am Fahrplan werde es nicht geben. "Ich denke auch, der Busfahrer wird eine neue Tour diese Woche fahren, wenn er das möchte", so der Geschäftsführer. Für eine geplante Fahrt am Samstag sei der Mann aber ersetzt worden, damit er sich von dem Unfall erholen könne.