bedeckt München

Abou-Chaker-Prozess:Wurf mit der Wasserflasche

Clanchef und Ex-Geschäftspartner von Rapper Bushido vor Gericht

Rapper Bushido im Zeugenstand. Das Bild stammt aus dem August, am jüngsten Prozesstag verbarg er seine Tattoos unter einer schwarzen Jacke mit Sinnspruch hinten drauf.

(Foto: Paul Zinken/picture alliance/dpa)

Im Prozess gegen Arafat Abou-Chaker erzählt der Rapper Bushido, wie er von seinem ehemaligen Geschäftspartner drangsaliert wurde, und zwar nicht nur verbal.

Von Verena Mayer, Berlin

"Leave me alone" steht auf der schwarzen Jacke, die der Rapper Bushido an diesem Verhandlungstag vor dem Berliner Landgericht trägt. Es ist nicht klar, ob das ein Kommentar zu dem Mann auf der Anklagebank ist: Arafat Abou-Chaker. Einst war er Bushidos Business-Partner und bester Freund, die beiden nannten sich Brüder. Inzwischen stehen sie sich ein bis zwei Mal die Woche vor Gericht gegenüber. Abou-Chaker und drei seiner Brüder sind angeklagt, den Rapper mit dem bürgerlichen Namen Anis Ferchichi bedroht und drangsaliert zu haben.

Es ist eines der aufwendigsten Verfahren auf dem Gebiet der sogenannten Clan-Kriminalität. Die Staatsanwaltschaft setzt ihre Hoffnung dabei in den Hauptbelastungszeugen Bushido, es kommt schließlich nur selten vor, dass jemand in Prozessen gegen mutmaßlich kriminelle Mitglieder einer Großfamilie umfassend aussagt. Das tut Bushido tatsächlich, allerdings ging es in den vergangenen Monaten vor Gericht vor allem um seine Männerfreundschaft zu Arafat Abou-Chaker, sprich: Befindlichkeiten.

Streit um den Gartenzaun

Da erzählte Bushido von Kabbeleien zwischen ihm und Abou-Chaker wegen seiner Ehefrau oder Differenzen um das gemeinsame Grundstück in Berlin. Nicht zu vergessen: der Streit um Bushidos Gartenzaun, dessen Verlauf Arafat Abou-Chaker nicht gefallen haben soll.

Inzwischen ist nun endlich das sogenannte Kerngeschehen dran, also das, was konkret in der Anklageschrift steht. So sollen die Abou-Chakers den Künstler im Januar 2018 bedroht und unter Druck gesetzt haben, weil er das Geschäftsverhältnis beenden wollte. "Das ist ein wichtiges Ereignis, das will ich ausführlich hören", sagt der Vorsitzende Richter.

Und so erzählt Bushido, wie Arafat Abou-Chaker ihn ins Büro des gemeinsamen Musiklabels gebeten habe, angeblich, um über Verträge zu sprechen. Doch dort warteten schon Abou-Chaker und zwei seiner Brüder. Nachdem Arafat Abou-Chaker die Tür abgeschlossen hatte, habe einer seiner Brüder das Gespräch mit den Worten "Du wirst erst lebendig wieder raus kommen, wenn du die Wahrheit sagst" eröffnet, so Bushido. Dann sei er über viereinhalb Stunden beleidigt und beschimpft worden, Arafat Abou-Chaker habe einen Stuhl und eine Wasserflasche nach ihm geworfen. "Ich dachte, das kann jederzeit total eskalieren." Und: "Man wollte mich psychisch in der Mitte durchbrechen."

Abou-Chakers Bedingungen

Irgendwann habe Abou-Chaker die Bedingung gestellt, zu der er bereit wäre, Bushido aus den Verträgen zu lassen: Der Rapper solle unter anderem einen Teil des Villengrundstücks abgeben, um die Schulden zu begleichen, die er angeblich bei Abou-Chaker habe, sechs bis sieben Millionen Euro. Abou-Chaker habe ihm klar gemacht, "dass das alles seins ist und ich sein Eigentum bin: Entweder ich zahle den Preis oder ich bin nicht von ihm getrennt".

"Was dachten Sie, was passiert, wenn Sie das Angebot nicht annehmen?", fragt eine Richterin. "Es war naheliegend, dass er mich nicht freiwillig gehen lassen wollte", sagt Bushido. Er habe gedacht, dass ihm und seiner Familie jederzeit etwas passieren könnte, "und das hat Eindruck auf mich gemacht". Der Prozess wird kommenden Montag fortgesetzt.

© SZ/nas
Zur SZ-Startseite

SZ PlusClans
:Die Unsichtbaren

Berlins Tschetschenen haben Schlagzeilen gemacht, und zwar die falschen: Bandenkämpfe, Überfälle, Schlägereien. Einblicke in eine Gemeinschaft, deren größter Kampf gerade der gegen den eigenen schlechten Ruf ist.

Von Sonja Zekri

Lesen Sie mehr zum Thema