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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Kirchenkunst wie aus dem 3-D-Drucker

ACHTUNG: Internetklau. Rechte lassen sich nicht klären.
(Foto: Archidiocesis Burgos)

Die gotische Kathedrale der nordspanischen Stadt Burgos soll drei neue Türen eingebaut bekommen. Die sind allerdings hässlich. Furchtbar hässlich.

Von Martin Zips

Wer weiß, wie schon die Frage nach Auswahl und Platzierung eines einfachen Wohnzimmersessels die Beziehung zweier Menschen belasten kann, der ahnt, welches Potenzial dieser Streit besitzt. Geht es doch um ein 800 Jahre altes Wohnzimmer, in dem sich schon Generationen von Nordspaniern versammelt haben, zum gemeinsamen, friedlichen Gebet.

Die gotische Kathedrale von Burgos soll drei neue Eingangstüren erhalten, durch die alten bläst der Wind. Die Türen, welche Gott Vater, die Jungfrau Maria und den ihr eingeborenen Sohn Jesus zeigen, sind - aber das ist wirklich nur eine Einzelmeinung - grauenvoll hässlich. Sie könnten aus einem dieser rund um die Uhr im Kinderzimmer surrenden 3-D-Drucker stammen, die am liebsten Superhelden oder Manga-Figuren ausspucken. Die Unesco jedenfalls droht bereits mit dem Entzug des Titels "Weltkulturerbe" für das Gotteshaus, auch eine Online-Petition gegen die (wirklich fürchterlichen) Türen gewinnt an Fahrt.

Andererseits: Wie sehr doch in Paris die Glaspyramiden des chinesisch-amerikanischen Architekten Ieoh Ming Pei den Innenhof des Louvre schmücken! Oder Sir Norman Fosters Kuppel unseren Berliner Reichstag. Und bald hängen sicher auch Markus Lüpertz' wundervolle Fliegenfenster endlich in der Marktkirche zu Hannover. Der Schöpfer der Kirchentüren von Burgos, der Künstler Antonio López aus Kastilien-La Mancha, der Heimat Don Quijotes, er sollte sich von den Windmühlen der Kunstskeptiker also nicht beirren lassen! Auf die Dauer wird selbst der hässlichste Sessel schön.

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