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Bundespresseball:Marschbefehl ausgeführt

Altkanzler Schröder tanzt mit seiner fünften Ehefrau, Bundespräsident Steinmeier glänzt beim Walzer, und die Bigband der Bundeswehr spielt wie befohlen: Eindrücke vom Bundespresseball.

Eigentlich ist es nicht die Bundeswehr, die einem einfällt, wenn man an den jährlichen Bundespresseball denkt. Höchstens vielleicht, dass man ganz im Inneren hofft, dass man sie nicht brauchen wird in dieser Nacht; dass nichts Unvorhergesehenes passiert. Aber wie so vieles, was sich gerade wandelt, war es auch in der Nacht zum Samstag beim diesjährigen Presseball anders als sonst. Noch bevor Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wie üblich den Ball - der übrigens unter dem Motto "Wandel" stand - mit dem ersten Tanz eröffnen durfte, war man schon bei der Bundeswehr angelangt. Genauer gesagt, bei der Bigband der Bundeswehr. Und, um es ganz präzise zu machen: bei einer Art Ersatzformation des Orchesters.

Auf der Bühne im großen Ballsaal des Berliner Hotels Adlon jedenfalls stand gegen 21 Uhr der Dirigent des Orchesters und dankte Ursula von der Leyen. Es sei die frühere Verteidigungsministerin gewesen, die "den Marschbefehl nach Berlin" zum Bundespresseball gegeben habe, sagte er in den Beifall hinein an. Natürlich sei man dem Befehl gefolgt, wenngleich es nicht ganz einfach gewesen sei. Die Bigband der Bundeswehr sei nämlich zur gleichen Zeit auch in Bonn im Einsatz. Weil nun aber ein Befehl ein Befehl sei, habe man die Reservisten aktiviert und freue sich, heute auch in Berlin spielen zu können. Es war der Moment, in dem einem die nicht mehr ganz neue Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer wieder einfiel, die zuletzt im Bundestag erklärt hatte, die neu gelieferten Hubschrauber der Bundeswehr seien "technisch in der Lage zu fliegen". Was streng genommen nicht heißt, dass sie es tatsächlich tun.

Dass aber noch richtig was geht - oder fliegt - bei der Bundeswehr, den Beweis lieferte jedenfalls die Bigband. Steinmeier legte einen Walzer mit seiner Gattin Elke Büdenbender hin, Altkanzler Gerhard Schröder führte seine fünfte Ehefrau Soyeon Schröder-Kim aus, und die Musiker spielten bis ein Uhr auf, es wurde ausgelassen getanzt, rund 2000 Gäste waren da.

Neu ist auch, dass der Ball erstmals klimaneutral stattfinden sollte. Die Veranstalter zahlten einige Tausend Euro Klimaabgabe, kauften Lebensmittel aus Brandenburg, und der 70 Meter lange rote Teppich war, wie das bei derartigen Veranstaltungen inzwischen angesagt ist, "grün", also umweltfreundlich hergestellt aus Resten von Fischernetzen und Meeresmüll. Nach dem Ball sollte alles recycelt werden, so die Ankündigung.