Süddeutsche Zeitung

Bundeskriminalamt:Weniger finanzieller Schaden durch Bandenkriminalität

  • Im vergangenen Jahr betrug der Schaden durch die organisierte Kriminalität etwa 210 Millionen Euro, 2016 war es noch etwa eine Milliarde Euro.
  • Die Zahl der Fälle blieb im Vergleich zu den Vorjahren aber nahezu gleich.

Organisierte Kriminelle verursachen in Deutschland immer weniger finanziellen Schaden. Wie das Bundeskriminalamt (BKA) am Mittwoch mitteilte, betrug er im vergangenen Jahr etwa 210 Millionen Euro. Damit war die Summe deutlich niedriger als in den Jahren zuvor. 2016 betrug sie etwa eine Milliarde Euro, weil es damals einige wenige Fälle im Bereich der Wirtschaftskriminalität mit dreistelligem Millionenschaden gegeben hatte. Die Zahl der Fälle blieb aber nahezu gleich. Sie lag bei 572 und damit im Schnitt der vergangenen zehn Jahre.

BKA-Präsident Holger Münch warnte, das Bedrohungs- und Schadenspotenzial, das von organisierter Kriminalität ausgeht, bleibe unverändert hoch. Wichtigstes Feld für organisierte internationale Banden bleibt das Drogengeschäft, das rund ein Drittel aller Fälle ausmacht. Wichtigstes Herkunftsland sind dabei die Niederlande. Als Beispiel für den Drogenschmuggel nannte Münch Crewangehörige großer Frachter, die Kokain in wasserdichten Behältern mit Bojen und Peilsendern auf hoher See über Bord werfen. Dort nehmen Schnellboote die Drogen auf, bringen sie an Land und verteilen sie über ganz Europa.

An zweiter Stelle folgt die Eigentumskriminalität. Schwerpunkt sind hier Autodiebstähle, die vorwiegend von osteuropäischen Banden begangen werden. Als Erfolg wertet das BKA den Rückgang bei Wohnungseinbrüchen, der sich auch in der allgemeinen Kriminalitätsstatistik widerspiegelt. Bei der Wirtschaftskriminalität entstehen die größten Schäden. Oft geht es dabei um Täuschungen, etwa wenn Kriminelle sich als Vorgesetzte ausgeben und die Überweisung großer Summen auf fremde Konten fordern. Auch als Polizisten geben sich die Täter oft aus.

Verfahren gegen Schleuserbanden nahmen deutlich zu - von 38 auf 51. Die meisten geschleusten Personen kamen aus den Krisenregionen Afghanistan, Irak, Iran und Syrien. Vergleichsweise wenig Verfahren gab es gegen Rocker. Von 20 Verfahren richteten sich dabei 17 gegen Mitglieder der Hells Angels. Auch die Mafia nimmt nur einen kleinen Teil der Verfahren des BKA ein. Von 14 Verfahren richteten sich sieben gegen Mitglieder der 'Ndrangheta und drei gegen die Cosa Nostra. Insgesamt nimmt die Zahl der Tatverdächtigen seit Jahren ab, zuletzt betrug sie 8300.

Wegen des hohen Grads grenzübergreifender Kriminalität forderte die Gewerkschaft der Polizei eine bessere Koordination zwischen den einzelnen Behörden. Dies will auch BKA-Präsident Münch angehen, ebenso wie den Aufbau einer gemeinsamen digitalen Plattform für die Polizeiarbeit.

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