Bundesgerichtshof zu Scheidungskrieg Der Lottozugewinn

Sechs Richtige in Tippgemeinschaft machten einen Lkw-Fahrer um eine halbe Million Euro reicher. Die Häfte muss er seiner seit Jahren von ihm getrennt lebenden Ehefrau geben. Der Bundesgerichtshof hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht.

Von Wolfgang Janisch, Karlsruhe

Das Glück ist ein launenhaftes Wesen, das gern sein böses Spiel mit den Menschen treibt. 29 Jahre hatte die Ehe eines Fernfahrers aus der Gegend von Mönchengladbach mit einer gelernten Krankenschwester gehalten, er 1944 geboren, sie fünf Jahre jünger. Drei Kinder hatten sie großgezogen, dann war das Glück zu Ende - oder was auch immer Paare sonst beieinander hält. Im Jahr 2000 zog er aus. "Die Gründe der Trennung sind streitig", heißt es im Urteil, aber das sind sie immer.

Auf dem Papier dauerte die Ehe weitere neun Jahre, aber schon 2001 hatte er - damals Mitte 50 - sein neues Glück mit einer anderen Frau gefunden. Sie lebten zusammen, verbunden auch in der kleinen Hoffnung aufs große Geld - sie gründeten eine Tippgemeinschaft. Und was soll man sagen: Beim Mittwochslotto im November 2008 schlug das Glück voll zu. Sechs Richtige brachten etwa 960 000 Euro. Der Mann kaufte einen Ford Focus und reichte die Scheidung ein. Pech nur: Die Ex wollte - acht Jahre nach der Trennung - etwas vom späten Glück abhaben. Rund 240 000 Euro, die Hälfte seines Anteils. Als Zugewinnausgleich.

Vier Jahre haben sie sich nun gestritten, am Anfang, als er noch keinen Anwalt hatte, soll er ihr 50 000 Euro angeboten haben. Sie aber zog durch die Instanzen, und an diesem Mittwoch hat der Bundesgerichtshof (BGH) ihr die gesamten 240 000 Euro zugesprochen. Der Zugewinn während der Ehe müsse ausgeglichen werden. Allein die lange Trennungszeit sei noch kein Grund, davon eine Ausnahme zu machen. (Az: XII ZB 277/12)

Zugewinnausgleich, das ist der gesetzliche Güterstand, der - wenn man nichts anderes vereinbart - mit der Heirat automatisch gilt. Seine Regeln sind in diesem Punkt ziemlich eindeutig. Stichtag für die Berechnung des Zugewinns ist der Scheidungsantrag - und den hatte der Lottogewinner erst zwei Monate nach dem Sechser gestellt. Der Rest ist Mathematik. Es wird ermittelt, um wie viel das Vermögen des Mannes und um wie viel jenes der Frau zwischen Heirat und Scheidung gewachsen ist. Die Differenz des "Zugewinns" wird dann ausgeglichen. Und weil bei der Frau praktisch kein Vermögen zu finden war (Kontostand beim Scheidungsantrag: 720 Euro), profitiert sie mit 50 Prozent am Gewinnanteil des Ex-Mannes.