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Streit um Hunderasse:Höchstrichterlich anerkannter Mini-Bullterrier

Streit um zu großen Miniatur-Bullterrier

Mini-Bullterrier Jagger Bonsai von Amadis muss nicht befürchten, für einen Bullterrier gehalten zu werden.

(Foto: Guido Kirchner/dpa)

Eigentlich wäre Jagger Bonsai von Amadis ein Bullterrier, der nur unter Auflagen gehalten werden darf. Doch nun geht er als harmloser Mini-Bullterrier durch. Die Frage nach der Gefährlichkeit eines Hundes ist juristisch kompliziert.

Zu einer Zeit, da sich Menschen noch nicht vorstellen konnten, wie es ist, über längere Distanzen hinweg zu kommunizieren, bemühte der Erfinder Thomas Alva Edison einen interessanten Vergleich: Telegrafie, so sagte er, müsse man sich vorstellen wie "einen riesenlangen Dackel, der beispielsweise von London bis Edinburgh reicht." Metaphorisch kompliziert, doch Edison präzisierte: "Wenn du jetzt dem Dackel in Edinburgh in den Schwanz kneifst, dann bellt er in London."

Wollte man dieses Bild auf einen aktuellen juristischen Fall übertragen, so könnte man sagen: Die Düsseldorfer Behörden haben einen Hund, der kein Dackel ist, lange in den Schwanz gekniffen. Und jetzt wurde vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster gebellt.

Es geht um "Jagger Bonsai von Amadis", der, darauf legen seine Halter wert, ein elf Jahre alter Mini-Bullterrier ist und kein Bullterrier. Mini-Bullterrier, das versichern einschlägige Hundezüchter, haben mit Bullterriern etwa genauso viel zu tun wie Zwergschnauzer mit Riesenschnauzern, Shelties mit Collies oder Dackel mit Deutsch Drahthaar. Also fast gar nichts.

Doch leider sehen Mini-Bullterrier, sogar die aus Düsseldorf, so aus wie Bullterrier. Und mit Bullterriern, da ist nicht zu spaßen. In einigen Bundesländern werden Bullterrier zu den "gefährlichen Hunderassen" gezählt. Ihre Haltung ist dort entweder verboten oder nur unter bestimmten Auflagen erlaubt (Hundeführerschein, Versehen des Hundes mit einem speziellen Chip, Leinenzwang).

Reminiszenz an Mick Jagger

Mini-Bullterrier hingegen dürfen in Deutschland recht unkompliziert gehalten werden. Auch, weil sie über eine für den Menschen deutlich günstigere Biss-Statistik verfügen. Allein in Nordrhein-Westfalen, wo "Jagger Bonsai von Amadis" zu Hause ist, galt bislang: Mini-Bullterrier mit einer Widerrist-Höhe (Übergang vom Hals zum Nacken) von mehr als 35,5 Zentimeter sind gar keine Mini-Bullterrier. Es sind: Bullterrier.

"Bullshit", sagen da die Freunde der ursprünglich für die Rattenjagd in England aus Bulldogge, English White Terrier und Dalmatiner gezüchteten Rasse. Und so kommt es, dass Jaggers Besitzer bereits seit Jahren durch alle Instanzen und auf allen digitalen Kanälen dafür kämpfen, dass sie ihren (mit 39,5 Zentimetern leider etwas großen) Mini-Bullterrier weiter wie einen legalen Mäusejäger halten dürfen. Nicht wie einen bösen Kampfhund. Dem nordrhein-westfälischen Landeshundegesetz zum Trotz. Der Name "Jagger Bonsai von Amadis" dürfte sich übrigens aus einer Reminiszenz an Mick Jagger, die japanische Kleinbaumzucht sowie den in der Renaissance populären Ritter-Helden "Amadis de Gaula" zusammensetzen.

Die Richter vom Oberverwaltungsgericht Münster entschieden nun, dass nicht allein die Zentimeterzahl für die Frage entscheidend ist, ob eine Hunderasse gefährlich ist (es gilt: nicht mehr als zehn Prozent!). Bei Jagger handelt es sich auch muskulär um einen Mini-Bullterrier, der damit genauso unkompliziert gehalten werden darf wie seine Verwandtschaft aus Yorkshire. Trotz seiner spitzen Zähne, seinem genetisch bedingten Augendefekt und einem wirklich erschreckenden äußeren Erscheinungsbild. Am Ende dürften es vor allem die inneren Werte gewesen sein, die zählten.

© SZ/olkl
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