Wal „Timmy“Was die Tracker-Daten des Buckelwals verraten

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Der Buckelwal wird Ende April in einer gefluteten Barge aufs offene Meer transportiert und freigelassen.
Der Buckelwal wird Ende April in einer gefluteten Barge aufs offene Meer transportiert und freigelassen. Philip Dulian/dpa
  • Der Buckelwal „Timmy“ lebte nach seiner Freilassung am 2. Mai noch vier bis fünf Tage und schwamm 215 Kilometer im offenen Meer.
  • Laut Umweltminister Backhaus gab es keine schwerwiegenden Verletzungen und keine Hinweise darauf, dass Transport oder Freilassung zum Tod beitrugen.
  • Gegen den SPD-Minister sind Hunderte Anzeigen eingegangen, die ihm unterlassene Hilfeleistung oder Tierquälerei vorwerfen.
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215 Kilometer bewegte er sich noch im tiefen Meer – Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus stellt die Auswertung des Live-Trackers des Wals „Timmy“ vor. Eine Erkenntnis daraus erleichtert ihn sichtlich.

Von Jana Stegemann

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Wie lange lebte der Wal, der weltweit als „Timmy“ oder „Hope“ bekannt wurde, nach seiner Freilassung im Skagerrak, einem Teil der Nordsee, noch? Darauf gibt es nun zum ersten Mal eine belastbare Antwort. Der Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (SPD), hat in einer Pressekonferenz am Freitagmorgen Daten des Live-Trackers geteilt, der an der Finne des Tieres befestigt war, um seine Schwimmbewegungen aufzuzeichnen. Den ausgewerteten Daten zufolge hat der junge Buckelwal nach seiner Freilassung am 2. Mai bei Skagen noch vier oder fünf Tage gelebt.

Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern

„Der Wal hat noch 215 Kilometer im offenen Meer zurückgelegt“, sagte Backhaus. Er sei geschwommen und getaucht, ab dem 5. Mai nahm seine Geschwindigkeit jedoch ab und er war sehr viel häufiger an der Oberfläche. Am 6. oder 7. Mai sei er schließlich untergegangen. Danach riss das Signal ab, die Antenne kann aus tiefem Wasser keine Daten senden.

Einer Spiegel-Recherche zufolge haben allerdings Backhaus’ eigene Ministeriumsmitarbeiter Zweifel, ob der Wal wirklich noch so lange lebte. Gesichert sei internen Papieren zufolge nur, dass der Wal, nach seiner Freilassung „Luftlinie anhand der Ortungspunkte 215 Kilometer“ zurückgelegt hat. Es könnte also auch sein, dass er die Strecke tot in der Strömung gedriftet war.

„Grundsätzlich ist es schon traurig, wie es für das Tier geendet ist“, sagte Till Backhaus. Er zeigte sich aber sicher darin, dass es in der Zeit noch am Leben war. „Es ist nicht direkt nach der Freilassung gestorben. Es zeigt aber auch, dass er seine Probleme hatte und die nicht selber lösen konnte.“ So habe sich der Wal nach seiner Freilassung wieder Richtung Ostsee bewegt anstatt in seinen natürlichen Lebensraum, den Atlantik, zu schwimmen. Das spreche für deutliche Orientierungsprobleme.

Es gab keine schwerwiegenden Verletzungen, äußerlich oder innerlich.
Till Backhaus

Und noch etwas verkündete der Minister – ihm ist anzumerken, wie erleichtert er selbst darüber ist: „Es gab keine schwerwiegenden Verletzungen, äußerlich oder innerlich, keine Hinweise auf Gewaltanwendungen.“ Es hatte Berichte und Vorwürfe von Beteiligten gegeben, wonach der Wal während des Transports bei unruhiger See mit dem Kopf an die Barge geknallt und an der Finne gezogen worden war. „Es gibt keine belastbaren Hinweise darauf, dass der Transport oder die Freilassung zu seinem Tod beigetragen haben. Ich will dem Vorwurf entgegentreten, dass der Transport ein unkontrolliertes Unterfangen war“, sagte Backhaus. „Das Ziel war es, dem Tier zu helfen, in sein Lebensumfeld zurückzukommen.“ Bei der Staatsanwaltschaft Schwerin sind mittlerweile Hunderte Anzeigen aus ganz Deutschland eingegangen, vor allem gegen den SPD-Minister. Die einen werfen ihm unterlassene Hilfeleistung, die anderen Tierquälerei vor.

Das tonnenschwere Tier, das sich später als eine etwa vier bis sechs Jahre alte Walkuh herausstellte, wurde Mitte Mai tot vor der dänischen Insel Anholt im Kattegat angeschwemmt. Am 16. Mai fanden die dänischen Behörden an dem Kadaver den angebrachten Tracker. Danach lag der aufgeblähte Wal am Strand und drohte zu explodieren. Am 4. Juni wurde er von einem dänischen Expertenteam am Strand obduziert und zerlegt. Einige Knochen werden erhalten und ausgestellt, aus den sonstigen Überresten des Wals soll Biodiesel und Zement hergestellt werden.

Nachdem der Wal fünfmal gestrandet war, zuletzt vor der Insel Poel in Mecklenburg-Vorpommern, und sich Till Backhaus gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wal-Experten zunächst dazu entschieden hatte, das offenbar schwer kranke Tier sterben zu lassen, kam es zu einer beispiellosen Aktion. Eine private Initiative um zwei deutsche Multimillionäre – den Mediamarkt-Gründer Walter Gunz und die Unternehmerin Karin Walter-Mommert – ließ den gestrandeten Wal mit einer Barge in die Ostsee und weiter bis ins Skagerrak hinausziehen. 1,5 Millionen Euro soll die Rettungsaktion gekostet haben, das Ministerium von Till Backhaus hatte das Vorhaben geduldet.

Till Backhaus zeigt Journalisten eine Landkarte mit Bewegungslinien des Buckelwals.
Till Backhaus zeigt Journalisten eine Landkarte mit Bewegungslinien des Buckelwals. Jens Büttner/dpa

„Man kann die Entscheidung zur Rettung kritisieren, wir als Haus haben keine spontanen Entscheidungen getroffen“, sagte Backhaus. Er habe auch keine Kritik an der Wissenschaft geäußert, „zu keinem Zeitpunkt, zu keinem Zeitpunkt“, bekräftigte er. Die Wissenschaft sei nun gefragt, weitere Untersuchungen zu machen. Offen ist noch die Frage, woran der Wal gestorben ist. Backhaus rechnet mit Monaten, bis konkrete Untersuchungsergebnisse über seine Organe vorliegen.

Einem lebenden Tier habe man nun mal helfen müssen, sagte Backhaus. „Heute wissen wir mehr als damals. Wer nichts versucht, der macht auch keine Fehler.“ Der Fall zeige aber auch: Deutschland sei auf die Strandung eines Großwals nicht vorbereitet, das müsse sich ändern.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text wurde nachträglich um die Spiegel-Recherche ergänzt.

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