Hassanal Bolkiah "Ich will die Lehren des Islam verstärkt wachsen sehen"

Bruneis Sultan Hassanal Bolkiah ist einer der reichsten Patriarchen der Welt. Seit einiger Zeit gibt er sich betont fromm.

(Foto: AFP)
  • Die internationale Gemeinschaft reagiert entsetzt auf die am Mittwoch in Kraft getretenen Strafen für Homosexualität im Sultanat Brunei.
  • Vertreter internationaler Organisationen und Staaten verurteilen die Einführung der Gesetze aufs Schärfste.
  • Auch Prominente wie George Clooney und Elton John schließen sich dem Protest an.

Entsetzen und scharfe Ablehnung. So kann man die Reaktionen zusammenfassen, die auf die Einführung der Todesstrafe für Homosexuelle in Brunei an diesem Mittwoch folgten. Gleichgeschlechtlicher Sex kann in dem Sultanat von heute an mit Steinigung bestraft werden. Auch am Tag des Inkrafttretens dieser seit einigen Wochen angekündigten Gesetzesverschärfungen gab es abermals harschen internationalen Protest.

Den Machthaber scheint all das bislang wenig zu kümmern. Am Mittwoch verteidigte er die Gesetzesreform: "Ich will die Lehren des Islam verstärkt wachsen sehen", soll Hassanal Bolkiah in einer Fernsehansprache gesagt haben, wie die Nachrichtenagentur KNA unter Berufung auf lokale Medien berichtet.

"Bruneis neues Strafgesetz ist barbarisch bis ins Mark und verhängt archaische Strafen für Taten, die nicht einmal als Verbrechen gelten sollten", kritisierte Phil Robertson, stellvertretender Asien-Direktor der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Ähnlich äußerte sich die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Bärbel Kofler: "Wir sehen die Strafbestimmungen als klaren Verstoß gegen die menschenrechtlichen Verpflichtungen des Landes an." Auch die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet kritisierte die neuen Gesetze, ebenso wie Frankreich, die USA und Australien.

Schauspieler George Clooney rief bereits letzte Woche in seiner Gastkolumne der US-Website Deadline zu einem Boykott des Beverly Hills Hotels, dem Hotel Bel-Air und sieben anderen Hotels auf, die dem Sultan von Brunei, Hassanal Bolkiah, gehören. Clooney schreibt in seiner Kolumne: "Aber machen wir uns eines deutlich: Jedes Mal wenn wir in einem dieser neun Hotels übernachten, dort an einem Meeting teilnehmen oder dort zu Abend essen, stecken wir Geld in die Taschen eines Mannes, der beschlossen hat, seine eigenen Landsleute zu steinigen und zu Tode zu peitschen, wenn sie homosexuell sind oder im Verdacht stehen, Ehebruch begangen zu haben."

Prominente Unterstützung erhielt Clooney von Sänger Elton John. Der bekennend homosexuelle Musiker schrieb auf Twitter: "Wir müssen, in welcher Weise auch immer, deutlich machen, dass eine solche Behandlung inakzeptabel ist. Aus diesem Grund haben [mein Ehemann] David und ich und schon lange geweigert in diesen Hotels zu übernachten und werden dies auch weiterhin tun. Wir hoffen, ihr werdet uns in unserem Boykott untersützen."

Verschärft werden auch die Strafen für Diebstahl: Künftig müssen Diebe damit rechnen, dass ihnen Hände und Beine amputiert werden. Grundlage dafür ist die Scharia, die im weiten Sinne die religiösen und rechtlichen Normen im Islam regelt. In dem Sultanat auf der Insel Borneo sind zwei Drittel der mehr als 420 000 Einwohner muslimischen Glaubens. Seit einiger Zeit sind dort konservative islamische Kräfte auf dem Vormarsch. Der autoritär regierende Sultan Hassanal Bolkiah ist mit einem Vermögen von vielen Milliarden Euro einer der reichsten Monarchen der Welt. 2014 hatte er damit begonnen, die Scharia einzuführen. Schon bislang war die Todesstrafe durch Erhängen bei Mord sowie Terror- oder Drogendelikten möglich, wurde aber nach UN-Angaben zuletzt 1957 vollstreckt.

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