Brückeneinsturz in Baltimore:Schiff soll wegen Stromausfällen manövrierunfähig gewesen sein

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Die eingestürzte Francis-Scott-Key-Brücke liegt auf dem Containerschiff "Dali", auf dem es zuvor zu mehreren Stromausfällen gekommen sein soll. (Foto: Julia Nikhinson/dpa)

Weil der Strom weg war, konnte die Crew die Kollision mit einem Pfeiler der Brücke nicht mehr verhindern. Zu diesem Schluss kommt ein erster Bericht der US-Verkehrsbehörde zu dem Einsturz der Brücke Ende März.

Die US-Verkehrsbehörde hat sieben Wochen nach dem Einsturz einer großen Autobahnbrücke in Baltimore einen ersten vorläufigen Bericht zur Unfallursache veröffentlicht und mehrere Stromausfälle auf dem Containerschiff Dali festgestellt. Die Untersuchungen hätten zum einen gezeigt, dass es kurz vor dem Zusammenstoß des Schiffes mit einem Stützpfeiler der Francis Scott Key Bridge zu einem Stromausfall an Bord gekommen sei, hieß es in dem am Dienstag veröffentlichten vorläufigen Bericht. Dadurch sei es der Crew unmöglich gewesen, die Vorwärtsbewegung des Schiffes aufzuhalten. Das Schiff habe den Stützpfeiler der Brücke gerammt, die daraufhin einstürzte.

Allerdings habe es auf der Dali bereits Stunden vor dem Auslaufen aus dem Hafen der Ostküstenstadt Baltimore bei Wartungsarbeiten zwei Stromausfälle gegeben. Der erste sei versehentlich von einem Crewmitglied ausgelöst worden, kurze Zeit später sei es zu einem zweiten Stromausfall gekommen.

Die vierspurige Autobahnbrücke an der Hafeneinfahrt von Baltimore war am 26. März eingestürzt, nachdem ein Brückenpfeiler von dem auslaufenden Containerschiff gerammt worden war. Bereits kurz nach dem Unglück hatte es Berichte über einen Stromausfall gegeben.

Durch das Unglück waren sechs Männer ums Leben gekommen. Bei den Opfern handelte es sich um Bauarbeiter lateinamerikanischer Herkunft, die zum Unfallzeitpunkt Reparaturen auf der Brücke durchführten. Die Schiffsbesatzung hatte an jenem Tag vor dem Zusammenprall mit dem Brückenpfeiler noch einen Notruf abgesetzt, was vermutlich Leben rettete - denn Beamte an Land stoppten daraufhin den Verkehr und verhinderten so, dass weitere Autos auf die Brücke gelangten.

Die Aufräumarbeiten laufen schon länger. Ein Teil der gewaltigen Brückenkonstruktion war bei dem Unglück jedoch auf das Schiff gestürzt und hatte dessen Abtransport daher unmöglich gemacht. Dieser Brückenteil wurde am Montag (Ortszeit) so gesprengt, um das darunter liegende Schiff freizulegen. Das havarierte Schiff aber liegt weiterhin an der Unfallstelle, soll jedoch aus dem Weg geschafft werden, damit sich der Schiffsverkehr wieder normalisieren kann.

Möglicher Schaden in Höhe von vier Milliarden Euro

Bei dem nun von der Verkehrsbehörde veröffentlichten Bericht handelt es sich noch nicht um den finalen Report. Die Untersuchung aller Aspekte des Unfalls dauere an, um die wahrscheinliche Ursache zu ermitteln, hieß es in dem vorläufigen Bericht. "Geplant sind Befragungen von Brückenexperten, Mitarbeitern der Wasserstraßenverwaltung, Schifffahrtssicherheits- und Autobahnbehörden sowie Schiffsbetreibern." Am Montag hatten Experten verbliebene Trümmerteile kontrolliert gesprengt.

Laut der Rückversicherung Hannover Rück sind die Schäden finanziell noch nicht zu beziffern. Außerdem sei völlig unklar, wer in welcher Höhe für das Unglück zahlen muss. Die Hannover Rück ist laut eigenen Angaben aber sowohl an der Versicherung der Brücke selbst beteiligt als auch an einem Konsortium, das die Schiffs-Haftpflicht stellt. Nach Einschätzung von Experten könnte die Brücken-Havarie mit bis zu vier Milliarden Euro zum teuersten Schaden der Schifffahrtsgeschichte werden. Zum Vergleich: Die Havarie des Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia war mit 1,5 Milliarden Euro der bisher größte Marine-Schaden in moderner Zeit.

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