Brücken-Pannen:In Murksigkeit verbunden

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Brücken-Pannen: Problembrücke: Seit der Eröffnung 2008 macht die Glasbrücke Ponte della Costituzione in Venedig Ärger.

Problembrücke: Seit der Eröffnung 2008 macht die Glasbrücke Ponte della Costituzione in Venedig Ärger.

(Foto: LiveMedia/Simone Piccirilli/imago images/Independent Photo)

Eine teure Calatrava-Glasbrücke in Venedig muss umgebaut werden, weil sie zu rutschig ist. Klingt selten dämlich? Auch andere Brücken stellten sich als Fehlplanungen heraus.

Von Elisa Britzelmeier

Brückenbauen scheint eine durchweg positive Angelegenheit zu sein. Wer Brücken baut, vermittelt zwischen Kulturen oder Streitenden, überwindet Gräben und Klüfte, setzt sich gegen Rassismus ein und für besseres Verständnis.

Brückenbauen kann aber auch eine durchweg schwierige Angelegenheit sein. Was man zuletzt wieder in Venedig betrachten konnte, an der Problembrücke namens Ponte della Costituzione. Die Fußgängerbrücke, vom spanisch-schweizerischen Architekten Santiago Calatrava entworfen und auch "Ponte Calatrava" genannt, führt über den Canal Grande und verbindet den Bahnhof Santa Lucia mit dem Piazzale Roma. Und macht eigentlich seit ihrer Einweihung im Jahr 2008 Schwierigkeiten.

Erst wurde sie teurer als geplant (11 statt 6,7 Millionen Euro), dann stellte sich die Konstruktion aus Glasgeländer und Glasstufen (man sollte das Wasser des Kanals sehen) als rutschig heraus. Vor allem, wenn es feucht wird. In einer Lagune also quasi immer.

Brücken-Pannen: Vorsicht, rutschig: Der Glasboden ermöglicht zwar einen Blick auf das Wasser des Canal Grande unter der Brücke, hat aber so seine Tücken.

Vorsicht, rutschig: Der Glasboden ermöglicht zwar einen Blick auf das Wasser des Canal Grande unter der Brücke, hat aber so seine Tücken.

(Foto: Arnulf Hettrich/imago images)

Calatrava wurde deswegen zu einer Geldstrafe von 78 000 Euro verurteilt. Die Stadt sperrte die Brücke bei schlechtem Wetter und brachte Antirutsch-Streifen an - ohne Erfolg. Nun hat die Verwaltung entschieden: Die Glasstufen sollen weg. Ersetzt durch Steintreppen, durch Platten aus Trachyt. Eine halbe Million habe man 2022 dafür eingeplant, heißt es von der Kommunalverwaltung. Stadtbaurätin Francesca Zaccariotto sagte der Regionalzeitung: "Alle unsere bisherigen Versuche haben nichts bewirkt: Klebestreifen, Harze, Harze mit Quarz."

Dem Architekten Calatrava, der sich als Künstler sieht, und dessen Bauwerke unter anderem in New York und Valencia ein Vielfaches teurer wurden als geplant und immer wieder durch Fehlplanungen auffielen, dürfte es dagegen gerade um das Glas gegangen sein. Das schließlich ermöglicht den wunderschönen Blick nach unten, auf Calatravas Homepage wird die Brücke als "betont neuer und entscheidender Beitrag zum Canal Grande" gepriesen. Aus seinem Architekturbüro heißt es nun, die rutschfeste Oberfläche des originalen Glasbelags sei über die Jahre hinweg beschädigt worden und unzureichend ersetzt worden. Den nun von der Stadtverwaltung geplanten Austausch durch Trachyt-Platten unterstütze man.

Brücken-Pannen: Zu viel Schwung: Die Millennium Bridge über die Themse musste kurz nach ihrer Eröffnung umgebaut werden.

Zu viel Schwung: Die Millennium Bridge über die Themse musste kurz nach ihrer Eröffnung umgebaut werden.

(Foto: imago images/YAY Images)

Nun klingt dieser Konstruktionsfehler selten dämlich, ist er aber nicht. Auch andere Brücken stellten sich gleich nach ihrer Eröffnung als Fehlplanungen heraus. Hoffen könnte die Calatrava-Brücke, dass es ihr ergeht wie der Millennium Bridge in London. Die musste im Jahr 2000 gleich wieder geschlossen und umgebaut werden, weil die Fußgänger sie zu stark in Schwingung brachten. Gute zwanzig Jahre später hätte man das beinahe vergessen. Die Brücke steht noch, und sie hat es in glänzenden Nebenrollen in mehrere Filme geschafft.

"Wir gehen in Sack und Asche", hieß es von der Deutschen Bahn

Wer solche Fälle nun spöttisch im Ausland verortet, wo man von Deutschland aus ja gerne hinschaut, wenn man sich ingenieurstechnisch überlegen fühlen will, sei an die Müngstener Brücke erinnert. Die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands verbindet Solingen und Remscheid und fiel 2011 auf, weil die Bahn ihre Fahrgäste vergaß. Bei Instandhaltungsarbeiten hatte der Konzern mit dem falschen Gewicht gerechnet und entsprechend verkehrte Anträge gestellt. In der Folge mussten die Züge erst mal leer über die Brücke fahren. "Wir gehen in Sack und Asche und müssen uns bei den Passagieren entschuldigen", sagte ein Bahnsprecher.

Brücken-Pannen: Die Passagiere vergessen: Die Müngstener Brücke ist die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands, machte 2011 aber vor allem wegen eines Rechenfehlers der Bahn von sich reden.

Die Passagiere vergessen: Die Müngstener Brücke ist die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands, machte 2011 aber vor allem wegen eines Rechenfehlers der Bahn von sich reden.

(Foto: Oliver Langel Düsseldorf/imago images)

2016 machte eine namenlose Brücke über die B 255 bei Niederahr in Rheinland-Pfalz Schlagzeilen. Ihre Pfeiler standen so eng beieinander, dass statt vier geplanter nur noch zwei Fahrspuren darunter passten. Der Landesbetrieb Mobilität musste zugeben, man habe die Probleme erst nach dem fortgeschrittenen Bau der 50 Millionen Euro teuren Umgehungsstraße bemerkt.

Brücken-Pannen: Laufenburg und Laufenburg fanden dann trotz Unterschieden doch zueinander.

Laufenburg und Laufenburg fanden dann trotz Unterschieden doch zueinander.

(Foto: Xantana/imago images)

Dass Brückenbauen nicht automatisch Grenzen überwindet, bewies die Hochrheinbrücke zwischen Laufenburg in der Schweiz und Laufenburg in Baden. Bei der internationalen Zusammenarbeit stellte sich heraus, dass Schweizer und Deutsche unterschiedliche Ansichten haben, was die Meereshöhe angeht. In der Schweiz orientiert man sich am Mittelmeer, in Deutschland an der Nordsee, das ergibt natürlich einen beträchtlichen Höhenunterschied.

Den hatte man ursprünglich auch beachtet - und dann doch falsch eingerechnet. Die Brückenhälften wuchsen 2004 schon von beiden Seiten, bis auffiel: Auf der einen Seite war man 54 Zentimeter zu niedrig. Immerhin konnte der Fehler schnell und ohne Mehrkosten korrigiert werden. Und ohne, dass jemand alle Brücken hinter sich abbrechen musste.

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