Gerichtstermin in Los Angeles:Britney Spears' Vater behält Vormundschaft

FILE PHOTO: Britney Spears poses at the premiere of 'Once Upon a Time In Hollywood' in Los Angeles

Britney Spears stand seit fast zwei Jahren nicht mehr als Sängerin auf einer Bühne. Hier ist sie bei einer Filmpremiere im Juli 2019 zu sehen.

(Foto: Mario Anzuoni/Reuters)

Die Sängerin wollte erreichen, dass ihr Vater keinen Zugriff mehr auf ihr Vermögen hat. Diesen Antrag hat das Gericht zwar abgelehnt, dennoch können sie und ihr Anwalt einen Teilerfolg verbuchen.

Im Streit um die Vormundschaft und den Zugriff auf ihr Vermögen hat Popsängerin Britney Spears, 38, vor Gericht eine Niederlage erlitten. James Spears, ihr Vater, ist nach mehreren psychischen Zusammenbrüchen seiner Tochter vor zwölf Jahren als Vormund eingesetzt worden und hat in dieser Funktion auch die Kontrolle über ihre Finanzen. Das wollte die Sängerin ändern. Über ihren Anwalt hatte sie einen Antrag eingereicht, James Spears zeitweilig von der Vormundschaft auszuschließen. Das jedoch hat Richterin Brenda Penny nach der Anhörung im Kammergericht Los Angeles nun abgelehnt.

Einen Teilerfolg haben Britney Spears und ihr Anwalt Samuel Ingham dennoch erzielt: Die Richterin entschied, dass die Vormundschaft über das Vermögen der Sängerin künftig zwischen dem Vater und einer Treuhandfirma aufgeteilt wird. Die Richterin gab auch zu verstehen, dass sie künftige Anträge auf zeitweiligen oder gänzlichen Ausschluss des Vaters vor der Vormundschaft berücksichtigen werde. Spears' Anwalt kann also in einigen Monaten erneut ansetzen.

Das Geflecht um die Vormundschaft für Britney Spears ist kompliziert: Von 2008 bis 2019 waren Vater James Spears und der Anwalt Andrew Wallet elf Jahre lang gemeinsam Vormunde für Britney Spears. Vergangenes Jahr zog sich Wallet von der Vormundschaft zurück und ließ James Spears allein in der Rolle. Auch der zog sich bald darauf aus gesundheitlichen Gründen von seiner Rolle als Vormund seiner Tochter als Person zurück, nicht jedoch aus der Vormundschaft über ihre Finanzen.

Der Antrag von Britney Spears und ihrem Anwalt sah nun vor, James Spears ebendiese Kontrolle über die Finanzen zu entziehen und es außerdem zu verhindern, dass der Vater wieder Vormund von Britney Spears als Person wird. Stattdessen solle Ersatzvormund Jodi Montgomery diese Rolle dauerhaft übernehmen.

Vor dem Gericht versammeln sich Fans mit Free-Britney-Gesichtsmaske

Britney Spears und ihr Vater haben seit Jahren nicht mehr miteinander gesprochen. Die Sängerin habe regelrecht Angst vor ihrem Vater, sagte ihr Anwalt Ingham. "Sie wird nicht wieder auftreten, wenn ihr Vater weiterhin verantwortlich für ihre Karriere ist." Die Vormundschaft ermöglicht James Spears nach Ansicht der Gegenseite nicht nur Zugriff auf das Vermögen der Sängerin, sondern auch auf künstlerische Entscheidungen. So wirft sie ihm unter anderem vor, sie über die Kündigung ihres Managers informiert und ohne ihr Wissen jemand Neues eingestellt zu haben.

Unter dem Hashtag #FreeBritney haben sich in sozialen Medien Britney-Spears-Fans zusammengeschlossen und protestieren gegen die ihrer Meinung nach zu rigide Kontrolle, die der Vater auf die Tochter ausübt. Einige Dutzend Fans, manche von ihnen mit "Free Britney"-Gesichtsmaske, versammelten sich vor dem Gerichtsgebäude und protestierten, so wie bereits bei früheren Gerichtsterminen. Britney Spears erschien selbst nicht. Ihr Vater und ihre Mutter, die geschieden sind, nahmen mit ihrem jeweiligen Anwalt per Videokonferenz an der Anhörung teil.

Die Anwältin von James Spears, Vivian Lee Thoreen, verteidigte die Arbeit ihres Mandanten. Dem Vater sei es zu verdanken, dass Britney Spears aus den Schulden herausgekommen sei und ein Vermögen von derzeit 60 Millionen US-Dollar aufgebaut habe. Dass Vater und Tochter nicht miteinander sprechen, liege allein daran, dass Britney Spears' Anwalt dies verhindert habe. James Spears die Kontrolle über das Vermögen seiner Tochter zu entreißen, würde genau den Schaden anrichten, den die Vormundschaft eigentlich abwenden sollte.

Vielleicht hat es Lynne Spears, die Mutter, auf den Punkt gebracht. Ihr Anwalt sagte vor Gericht, es habe seiner Mandantin "das Herz gebrochen, dass es so weit gekommen sei". Sie wolle ihrem Ex-Mann nichts Böses, aber es sei "Zeit für einen Neustart" und daher besser, wenn ihr Mann von der Vormundschaft ausgeschlossen werde. Die Beziehung zwischen Vater und Tochter beschreibt die Mutter mit einem Wort, der auch ein Songtitel von Britney Spears aus dem Jahr 2004 ist: "Toxic" - toxisch also.

© SZ/AP/olkl/nas
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