Los Angeles:"Ich werde den ganzen Tag weinen"

Lesezeit: 3 min

Los Angeles: Vor dem Gerichtsgebäude in Los Angeles haben die Unterstützer der #freebritney-Bewegung am Freitag gefeiert.

Vor dem Gerichtsgebäude in Los Angeles haben die Unterstützer der #freebritney-Bewegung am Freitag gefeiert.

(Foto: Patrick T. Fallon/AFP)

Nach bald 14 Jahren ist die Vormundschaft über Britney Spears und ihre Finanzen zu Ende. Die Künstlerin spricht vom besten Tag ihres Lebens, ihre Fans feiern vor Gericht. Zahlreiche Fragen sind aber noch ungeklärt.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Es war lediglich Vollzug, was die Richterin Brenda Penny am Freitagnachmittag in Los Angeles verkündete: Britney Spears ist ein freier Mensch. Die sogenannte Conservatorship, die sich für die Sängerin angefühlt haben muss wie ein Gefängnis - sie durfte noch nicht einmal einen Kaffee kaufen oder Auto fahren -, ist ab sofort und vor allem ohne vorherige psychologische Evaluation beendet. "Es braucht die Vormundschaft nicht mehr, weder über die Person noch über das Vermögen", sagte Richterin Penny. Nach bald 14 Jahren ist der traumatische Lebensabschnitt, wie Spears die Vormundschaft bei einer Anhörung im Juni nannte, vorbei.

Das Urteil war erwartet worden, die Stimmung vor dem Gerichtsgebäude in Los Angeles war deshalb eine andere als bei den Anhörungen davor. Im Juni hatte sich Spears ausführlich und emotional über ihren Vater als Vormund beschwert - die Britney-Fans deshalb: traurig und wütend. Im September, als es um ein mögliches Ende der Vormundschaft ging: hoffnungsvoll, aber immer noch wütend. Am Freitag war es wie an Silvester: Die Mitglieder der #freebritney-Bewegung, die ihre Proteste durchaus zu Recht als wegweisend für das Ende der Vormundschaft sehen, warteten eine halbe Stunde lang auf das Urteil. Als es verkündet wurde, regnete es Konfetti, die Leute umarmten sich und sangen gemeinsam den Britney-Hit "Stronger".

Spears, 39, hatte ebenfalls mit dem Urteil gerechnet. Sie erschien nicht vor Gericht, am Freitagmorgen veröffentlichte ihr Verlobter, der Schauspieler Sam Asghari, ein Video auf Instagram. Darin sind er und Britney in T-Shirts zu sehen, auf denen steht: "#freebritney. It's a human rights movement". Im Hintergrund ist das Lied "Work Bitch" von Spears zu hören, das als feministische Hymne gefeiert wurde, als sie es 2013 veröffentlichte.

Wenn man sich nun die Textzeilen aus dem Social-Media-Schnipsel von Asghari anhört, sind durchaus andere Interpretationen möglich: "Du willst einen geilen Körper? Einen Bugatti? Einen Maserati? Dann arbeite lieber mal, du Miststück. Du willst einen Lamborghini? Martinis schlürfen? Sexy im Bikini aussehen? Dann arbeite lieber mal, du Miststück." Im Video zum Lied wird Werbung für ein Britney-Parfum gemacht, es gibt Szenen, in denen jemand wie eine Sklavin behandelt wird.

Britney Spears mag ab sofort ein freier Mensch sein, aber der Fall ist damit nicht abgeschlossen. Es müssen noch Details geklärt werden, etwa die Frage, wie genau das Vermögen von geschätzten 60 Millionen Euro in den Besitz von Spears gelangen wird. Bis dahin wird sich der Finanzberater John Zabel, seit September auf Wunsch von Spears verantwortlich, weiterhin um das Geld kümmern.

Davor hatte ihr Vater Jamie die Kontrolle über Britney Spears als Privatperson und über ihr Vermögen. Im Mai 2019 übergab er die Vormundschaft über die Privatperson an Jodi Montgomery, die sich davor vor allem um medizinische Belange wie Arztbesuche und Medikation gekümmert hatte. Die Macht über die Finanzen - und damit zu einem gewissen Grad auch über die Person Britney Spears - behielt er. Britney sagte über dieses Konstrukt, dass ihr Vater die Kontrolle genossen habe.

Freiheit für Britney Spears - Gericht hebt Vormundschaft auf

Mathew Rosengart, der Anwalt von Britney Spears.

(Foto: Chris Pizzello/dpa)

Mathew Rosengart, erst seit Juni der Anwalt von Britney Spears, hat nicht nur das Ende dieser Vormundschaft erheblich beschleunigt, er will nun zwei Untersuchungen einleiten. Erstens zur Frage: Haben Jamie Spears sowie die Tri Star Sports & Entertainment Group, verantwortlich für Karriere-Entscheidungen, das Vermögen verantwortungsvoll verwaltet? Zweitens: Hat Jamie Spears, wie er beteuert, stets im Interesse seiner Tochter gehandelt? In der Doku "Controlling Britney Spears" der New York Times ist zu sehen, wie er seine Tochter regelrecht überwacht und dabei auch private Telefonate angehört haben soll. Rosengart sagt, dass Jamie Spears dem Ende der Vormundschaft auch aus Furcht vor Konsequenzen zugestimmt habe.

Das alles wird in den kommenden Wochen verhandelt werden; die wichtige Botschaft am Freitag war jedoch: Britney Spears ist ab sofort ein freier Mensch. Sie schrieb auf Instagram: "Ich kann es verdammt noch mal nicht glauben! Der beste Tag meines Lebens. Ich werde den ganzen Tag weinen." Bei Asghari war nur ein Wort zu sehen: Freedom. Freiheit.

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