Britisches Königshaus Die hippe Hochzeit

Prinzessin Eugenie und Jack Brooksbank küssen sich nach ihrer Hochzeit auf den Stufen der St. George's Chapel.

(Foto: dpa)
  • Die Queen-Enkelin Eugenie hat ihren langjährigen Partner Jack Brooksbank geheiratet.
  • Bei der royalen britischen Hochzeit auf Schloss Windsor am Freitagvormittag in London wechselten sich die festlichen, erhabenen Momente mit unvorhergesehenen, amüsanten ab.
Von Nora Reinhardt

Normalerweise braucht es für eine Traumhochzeit nur ein perfektes Paar. Das Hochzeitspaar, die Queen-Enkelin Eugenie und Jack Brooksbank, fand schon vor sieben Jahren zusammen. Das zweite perfekte Paar jedoch hatte erst an diesem Morgen zusammengefunden: Die Gäste und der starke Wind. Und so wechselten sich bei dieser royalen britischen Hochzeit auf Schloss Windsor am Freitagvormittag in London die festlichen, erhabenen Momente mit unvorhergesehenen, amüsanten ab.

Ab 11 Uhr am Freitag kamen die 850 geladenen Gäste und schritten die letzten Meter in die St George's Chapel hinein. Darunter war, wie sich das für eine royale Hochzeit gehört, allerlei Prominenz, die Models Kate Moss und Naomi Campbell zum Beispiel, die Sänger Ricky Martin, Robbie Williams und James Blunt oder die Hollywood-Schauspielerinnen Liv Tyler und Demi Moore. Besonders die Frauen fielen auf, denn: Nachdem bei der Hochzeit von Harry und Meghan im Mai die so genannten "Fascinator", die exzentrischen Kopfbedeckungen, "nicht erwünscht" waren, waren sie nun sogar ausdrücklich erwünscht: Auf der Einladung wurde betont, die Gäste mögen sich bitte um eine Kopfbedeckung bemühen; Eugenie ist für ihre Liebe zum Kopfschmuck bekannt.

Zu sehen gab es also die neuesten Schöpfungen: Blumenfascinator, Tüllfascinator, Tellerfascinator, Untertellerfascinator mit dicken Kugeln, Fascinator mit Federpuscheln am Stab, einen Rotkäppchenkorbfascinator sowie einen gelben Clownfascinator, der bunte Kügelchen in den Schleier eingewebt hatte. Darüber hinaus sah man einen schwarzen Hut mit Leopardenmusterband, eine hellblaue Matrosenkappe und einen Zylinder, alles auf den Köpfen von weiblichen Gästen. Und dann gab es noch den Hut der Brautmutter Fergie: einen massiven petrolgrünen Hut mit breiter Krempe, der ein wenig an das Heck eines russischen Flugzeugträgers erinnerte. All diese Kopfkunstwerke trafen auf den 27 Stundenkilometerstarken Wind. Was gibt es Fröhlicheres, als den Anblick von Adligen und Prominenten, die ihren Hüten und Hütchen hinterherhechten? Robbie Williams Schwiegermutter wehte der Hut genauso vom Schopf wie Cara Delevingne der Zylinder hochhüpfte, und als eine junge Frau im kurzen blauen Kleid die Blumenkinder um 11:48 Uhr in die Kirche bugsierte, blies der Wind ihren Rock für zwei Schrecksekunden gen Kirchturmspitze. "Her skirt was victim to the wind", ihr Rock fiel dem Wind zum Opfer, analysierte die britische Presse.

Wer ist eigentlich Eugenie?

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Überhaupt war die Festtagsgarderobe der geladenen Gäste deutlich gewagter als bei der Hochzeit von Meghan und Harry. Fast hatte man das Gefühl, das Brautpaar habe den Gästen neben der offiziellen, gedruckten Einladung noch eine Nachricht aufs Handy hinterhergeschickt, in der stand: "Gebt Gas! Wir wollen Farben, Muster und Stoffe sehen!" Neben Jumpsuits, großen floralen Mustern, Plüschtaschen, Jackets mit Punkten und einem Smoking bei den Frauen sah man bei den Männern etwa gelbe oder violette Westen mit grünen Krawatten und selbst Eugenies Cousin Harry kam für seine Verhältnisse flippig gekleidet: Er trug schwarz, grau, Nadelstreifen und kombinierte dazu ein helles und ein dunkles Blau. Auch die Blumendekoration war zeitgemäß statt klassisch: Die Trendblumen Physalis umrankten den Eingang der Kapelle. So modern kann eine royale Hochzeit 2018 eben auch aussehen.

Nachdem sie mit einem 1977 Rolls Royce Phantom VI vorgefahren war, betrat Prinzessin Eugenie mit der Greville Emerald Kokoshnik Tiara, die der Queen Mum gehörte, pünktlich um 12 Uhr die Kirche. Das Kleid war offiziell vom "britischen Designerlabel" Peter Pilotto. Hinter dem stecken der Italo-Österreicher Peter Pilotto und der im Libyen geborene Halbperuaner und Halbbelgier Christopher de Vos. Das junge Designerduo hat ein stilvolles Brautkleid mit gemäßigtem Rückenausschnitt, Schleife am unteren Rücken und einem sehr dezenten floralen Muster entworfen.

Den britischen Steuerzahler kostete die Hochzeit zwei Millionen Pfund

Der wohl heiterste Moment der Zeremonie war, als der Dekan von Windsor, David Conner, den obligatorischen Satz sagte, wer Einwände gegen die Hochzeit habe, der möge nun sprechen oder für immer schweigen. Weil die Musik einsetzte, ohne dass jemand überhaupt technisch die Möglichkeit gehabt hätte, etwas zu sagen, blickte sich das Hochzeitspaar kurz an und brach in Lachen aus. Während der Trauungszeremonie richtete auch die Trauzeugin und Brautschwester Beatrice Worte an die Gemeinde und rezitierte die Kennenlernszene aus "The Great Gatsby" von F. Scott Fitzgerald. In der geht es um ein Lächeln und einen jungen Mann, der als "elegant roughneck" beschrieben wird, als eleganter, hartarbeitender Mann. Eine Anspielung auf den Bräutigam, der zwar aus einer wohlhabenden Familie stammt, aber in der Hotellerie, dem Nachtleben und dem Alkoholhandel sein Geld verdiente. Im weiteren Verlauf sang Tenor Andrea Bocelli während der Zeremonie (bezahlt) am Altar das Ave Maria, James Blunt (unbezahlt) auf der Bank Kirchenlieder.

Frischvermählt zeigte sich das Brautpaar dann auf den Stufen vor der Kapelle und küsste sich vor jubelnden, handverlesen geladen Gästen aus dem Volk. Danach folgte die obligatorische Pferdekutschfahrt, auf die ein Empfang bei der Queen und Feierlichkeiten bis zum Samstagabend folgen.

Es war eine windige Hochzeit, die den britischen Steuerzahler zwei Millionen Pfund gekostet hat.

Hutlos unter die Haube

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