Brillenmode "Ich finde, sie passt gut zu Maaßens Charakterkopf"

Der Blick schneidend, die Brille goldumrandet: Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen.

(Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Was verrät seine Brille über den Verfassungsschutzpräsidenten? Ein Anruf bei dem Augenoptikermeister und Brillensammler Karl-Heinz Wilke.

Interview von Martin Zips

Darf man von einer Brille auf die Psychologie des Brillenträgers schließen? Gibt etwa die Brille des obersten deutschen Verfassungsschützers Hans-Georg Maaßen Aufschluss über dessen politische Gesinnung? Ein Gespräch mit dem Hamburger Augenoptikermeister und erfahrenen Brillensammler Karl-Heinz Wilke.

SZ: Herr Wilke, Sie betreiben seit vielen Jahren ein Brillenmuseum in Pöseldorf. Können Sie uns etwas zu der Brille sagen, die heute als optisches Markenzeichen des deutschen Verfassungsschutzpräsidenten gilt?

Karl-Heinz Wilke: Die Form stammt ursprünglich aus dem viktorianischen Zeitalter. Ich finde, sie passt gut zu Maaßens Charakterkopf. Es gibt ja einige Firmen, die heute Nachbauten solcher historischer Modelle anbieten. Man kann also davon ausgehen, dass sich Maaßen bewusst für diese Form entschieden hat.

Aber warum?

Natürlich könnte er eine ganz bestimmte Person im Kopf gehabt haben, als er die Brille wählte. Jemand, der eine Art Vorbild für ihn darstellt.

Zum Beispiel?

Zum Beispiel Norbert Blüm.

Norbert Blüm?

Ja, der trägt ein sehr ähnliches Modell. Vielleicht auch Hermann Hesse.

Hesse? Der sich von Lebenskrise zu Lebenskrise bewegende Literat?

Richtig. Auch er bevorzugte die kleine ovale Form.

Was ist mit Adalbert, dem unsympathischen Klassenersten aus dem Kinderbuch "Der kleine Nick"?

Nun ...

Oder denken Sie an Heinz Rühmann, den Darsteller des Schülers Pfeiffer in der Filmkomödie "Die Feuerzangenbowle".

Ja, aber das war nicht das ovale Modell. Rühmann trug eine runde Brille, wie sie später auch von John Lennon bevorzugt wurde. Wenn schon Rühmann, dann eher in der Rolle des Schuhmachers Voigt in "Der Hauptmann von Köpenick".

Maaßen bevorzugt also die Brille eines Hochstaplers.

Karl-Heinz Wilke fand als Jugendlicher eine Silberbrille auf der Straße und reparierte sie. So begann die Leidenschaft des heutigen Optikers und Brillensammlers. Wilke betreibt in Hamburg ein deutschlandweit einmaliges Brillenmuseum.

(Foto: oh)

Jetzt hören Sie mal! Ich wage wirklich nicht, mich darüber zu äußern, was eine Brille über diesen oder jenen Menschen aussagt. Eine Brille, wie sie Maaßen trägt, kaufen bei mir Chemiker ebenso wie Studenten oder Lastwagenfahrer. Da kann man keine Grenzen ziehen. Sicher steht beim einen oder anderen vielleicht irgendetwas dahinter, aber ich kann Ihnen jetzt wirklich nicht sagen, was.

Was ist mit Franz Schubert? Wäre das vielleicht eine Möglichkeit? Liebt Maaßen Schuberts Musik?

Früher war dieses Brillenmodell einfach sehr weit verbreitet. Schon Anfang des 18. Jahrhunderts haben die Chinesen solche Brillen hergestellt.

Maaßen bevorzugt jedenfalls das ovale Modell. Nicht das runde, wie es etwa Gandhi trug.

Von Gandhi habe ich eine Originalbrille bei mir im Museum! Kreisrund.

So wie die von Gregor Gysi?

Maaßens Brille schließt jedenfalls perfekt mit seinen Augenbrauen ab. Das muss man schon mal so sehen. In Gregor Gysis Gesicht wäre das Modell doch völlig fehl am Platz.