Brigitte Bardot Liebe zu Tieren, Hass auf Menschen

Sie kann schimpfen und hetzen, wie sie will, aber noch immer kommt kaum ein Text über sie ohne das Wort "Ikone" aus: Brigitte Bardot, ergraute Diva, Tieraktivistin, Rassistin.

(Foto: Eric Feferberg/AFP)

Schimpftiraden, Polemik, gegen Muslime, Politiker, Frauen: Die einstige Ikone Frankreichs ist vom Sinnbild für Schönheit zum Sinnbild für irrsinnig schlechte Laune geworden.

Von Nadia Pantel, Paris

Das deutsche Kino hat Stars wie Til Schweiger. Da halten sich sowohl die Qualität der Filme als auch das Ausmaß der Skandale in überschaubaren Grenzen. Über Schweiger regen sich die Menschen schon auf, wenn er nur mal ein paar Ausrufezeichen zu viel auf Facebook verwendet. In Frankreich bewegen sich sowohl der Ruhm der Stars als auch der Unsinn, den diese manchmal reden, in anderen Dimensionen. Brigitte Bardot zum Beispiel, in den 60er Jahren zur Definition weiblicher Schönheit erkoren und in der Folge eine der Frauen, deren Nachnamen man ehrfürchtig mit dem bestimmten Artikel garniert: La Bardot. Heute ist die Bardot eine auffällig schlecht gelaunte 84-jährige Frau, die Tierschutz predigt und gegen Ausländer stänkert.

Was bei Brigitte Bardot mit Liebe zu Tieren beginnt, endet meist mit Hass auf Menschen. Ihr jüngste Tirade richtet sich gegen die Bewohner der zu Frankreich gehörenden Insel La Réunion im Indischen Ozean. In einem offenen Brief beklagt die ehemalige Schauspielerin, dass die Bewohner von La Réunion Hunde und Katzen schlecht behandeln würden, und reiht dann einen rassistischen Irrsinn an den nächsten. Bardot schreibt von einer "teuflischen Insel", auf der die "Ureinwohner die Gene der Wilden" behalten hätten, eine "degenerierte Bevölkerung", die an "barbarischen Traditionen" festhalte. Die Präfektur der Insel plant nun, Bardot zu verklagen.

Bardot wurde bereits fünfmal wegen Aufwiegelung zum Rassenhass zu Geldstrafen verurteilt. Das erste Mal 1996, als sie sich in einem Gastbeitrag für den Figaro darüber ausließ, wie muslimische Einwanderer die französischen Traditionen zerstören würden. "Werde ich bald auswandern müssen?", fragte Bardot in dem Artikel. 2003 legt sie in Buchform ("Ein Ruf aus der Stille") nach. Sie findet nicht nur muslimische Mitbürger eine Zumutung, sondern auch Schnellrestaurants, Flüchtlinge und Politiker. Frauen, die Politik machen, sind für Bardot noch ein kleines bisschen schlimmer als Männer, die Politik machen. Schließlich könnten Frauen sich Männer "gefügig machen", ohne gleich "ihren Platz einzunehmen".

Die damals 23-jährige Bardot in Cortina D'Ampezzo.

(Foto: AP)

Der letzte Anlass, der Bardot zu einem öffentlichen, freundlichen Wort bewegt hat, war der Tod von Karl Lagerfeld. Auf Twitter drückte sie seiner Katze Choupette ihr Mitgefühl aus, da diese "ihren Papa" verloren habe. Auf ihrem Profilbild in dem Sozialen Netzwerk zeigt sich Bardot in enger Umarmung mit ihrem Hund.

Die Haare der früheren Leinwandberühmtheit sind zwar grau geworden, doch sie trägt sie immer noch auf dieselbe Weise toupiert wie in den 60er Jahren. Und auch die Franzosen scheinen sich nicht ganz von diesem alten Image lösen zu können. La Bardot kann schimpfen und hetzen, wie sie will - kein Text über sie kommt ohne das Wort Ikone aus.

Rechtsextremer Dunstkreis

Auch wenn Bardot immer wieder betont, dass sie mit Parteipolitik nichts zu tun haben wolle, bewegt sie sich im Dunstkreis des rechtsextremen Rassemblement National. Die Partei hieß noch Front National (FN) und war von ihrem heutigen Image einer halbwegs bürgerlichen Oppositionskraft noch weit entfernt, als Bardot 1992 Bernard d'Ormale heiratete. D'Ormale war damals nicht nur FN-Mitglied, er war auch ein zentraler Berater von Parteigründer Jean-Marie Le Pen.

Die Vorliebe für reaktionäre Polemik teilt Bardot mit einem weiteren Altstar des französischen Kinos. Zur selben Zeit, als Bardot an der Seite von Serge Gainsbourg und Michel Piccoli zum Mythos wurde, lag die Welt auch Alain Delon zu Füßen. Bardot rekelte sich lasziv durch "Und immer lockt das Weib". Delon boxte in "Rocco und seine Brüder". Heute macht Delon keinen Hehl daraus, dass er sich nach dieser Zeit zurücksehnt, in der, so drückt er es selbst aus, Männer noch Männer waren und Frauen noch Frauen. Im Magazin des Figaro sinnierte er 2013 darüber, dass es "immer weniger Männer gibt, weil immer mehr Frauen wie Männer geworden sind".

Jean-Marie Le Pen, der inzwischen sogar seiner eigenen Tochter zu radikal ist, nennt Delon unbeirrt einen "guten Freund". Als Le Pens Partei bei den Kommunalwahlen 2014 einen ihrer bislang größten Erfolge feierte, griff Delon sofort zum Telefon, um Jean-Marie Le Pen zu gratulieren.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir die Insel La Réunion fälschlicherweise in der Südsee, das heißt im Pazifischen Ozean, verortet. Richtig ist jedoch, dass sich dieser malerische Außenposten der EU im Indischen Ozean befindet.

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