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Rekordpreis für belgische Brieftaube:Armando, die 1,25-Millionen-Euro-Taube

Brieftaube in ihrem Käfig, 2000

Eine gut ausgebildete Brieftaube wie diese brachte bei Auktionen bisher schon mal mehrere Hunderttausend Euro ein. Armando hat die Dimensionen gesprengt.

(Foto: Therese Aufschlager/Caro)

Joel Verschoot züchtet Brieftauben, seit er ein Kind ist. Nun hat der 63-jährige Belgier ein besonderes Exemplar verkauft: "Armando" brachte mehr ein als je eine Brieftaube vor ihm und soll künftig dem chinesischen Markt auf die Sprünge helfen.

Die einen hassen und verspotten sie als "Ratten der Lüfte", andere sehen in ihnen Boten des Friedens und wieder andere schätzen sie seit Jahrtausenden als zuverlässige Überbringer von Geheimnissen: Tauben. Sie sind auch jene Vögel, von denen man nie Küken zu sehen glaubt. Bei Joel Verschoot, 63, ist das anders - der Belgier züchtet Brieftauben. Und sorgt für Schlagzeilen: Anfang der Woche gab das auf Brieftaubenzucht spezialisierte Portal "Pigeon Paradise" (Pipa) bekannt, dass Armando, eine Brieftaube aus Verschoots Zucht, bei einer Auktion den höchsten je gebotenen Preis erzielte - 1,25 Millionen Euro. Armando ist aber nicht so wertvoll, weil er sich als Nachrichtenübermittler bewährt hat - als solche dienten Brieftauben früher einmal, heute werden sie vor allem zum Sport gezüchtet, ähnlich dem Pferde- und Hundesport. Joel Verschoots belgische Heimat gilt dabei als Mutterland des Brieftaubensportes.

SZ: Herr Verschoot, kennen Sie Lewis Hamilton?

Joel Verschoot: Den Formel-1-Fahrer?

Genau. In deutschen Medien war zu lesen, Sie hätten den "Lewis Hamilton der Tauben" großgezogen.

Mein Armando? Pardon, diesen Vergleich habe ich noch nie gehört. Dann könnte man übrigens auch Hamilton den "Armando der Formel 1" nennen, weil er über die Rennstrecken fliegt wie die schnellste Taube Belgiens durch die Luft.

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Erzählen Sie uns ein bisschen von ihrem Rekord-Vogel, was macht ihn so besonders und teuer?

Armando ist nicht nur schnell, er ist auch sehr schlau. Er ist ein total verlässliches Tier und hat diverse Wettbewerbe über die Lang- und die Kurzdistanz gewonnen, das macht ihn so wertvoll. 2018 war er der erfolgreichste Vogel Belgiens. Seit ich Tauben züchte, ist er die beste Taube, die ich je gesehen habe.

Und Sie haben eine Menge Tauben gesehen?

Oh ja. Ich habe damals als Kind angefangen, meinem Vater in seiner Zucht zu helfen. Als er starb, habe ich sie übernommen. Ich verbringe schon mein ganzes Leben mit Tauben. Gerade habe ich etwa 300 Stück hier.

Joël Verschoot, belgischer Taubenzüchter, mit Rekordtaube Armando.

(Foto: privat)

Es heißt, sie können sie alle unterscheiden und beim Namen nennen.

Selbstverständlich. Ich trainiere zwei Mal pro Tag mit ihnen, da lernt man sie schon ziemlich gut kennen. Außerdem ist das etwas, was einen guten Züchter ausmacht: Je mehr Zeit man mit den Tieren verbringt, je mehr man sich um sie kümmert, umso besser entwickeln sie sich. Dazu kommt ausgewogene Ernährung. Ich mache da zwar nichts Außergewöhnliches, sondern kaufe ganz normales Futter im Supermarkt, ich achte aber darauf, dass die Tauben zum Beispiel vor Langstrecken-Wettkämpfen fettreicher fressen, weil sie dann ausdauernder sind. Armando mag übrigens besonders gern Mais.

Hatten Sie schon öfter Verkäufe in dieser Dimension?

Der Preis für Armando schlägt alles bisher Dagewesene. Bislang lag der Rekordpreis ja bei einem Drittel von dem, was nun für Armando bezahlt wird. Ich hatte schon Tauben, die für 200 000 Euro über den Tisch gingen, für Armando hatte ich schon sehr optimistisch auf 500 000 Euro gehofft - dass es dann 1,25 Millionen geworden sind, hat uns natürlich enorm überrascht.

Brieftaube Armando

1,25 Millionen Euro wert: Die Rekord-Brieftaube "Armando".

(Foto: OH)

Wie haben Sie die Nachricht aufgenommen?

Sie kam am Sonntag. Ich habe meine vier Söhne angerufen, sie kamen sofort her und wir haben ein bisschen gefeiert. Um fünf Uhr morgens bin ich ins Bett.

Wissen Sie schon, was Sie mit dem vielen Geld anfangen werden?

Noch haben wir es ja nicht bekommen. Armando ist noch bei uns, ich denke, er wird bis Ende der Woche abgeholt und nach China gebracht, die Rechnung sollte dann innerhalb der kommenden drei Wochen bezahlt werden. Was wir dann damit anstellen - noch keine Ahnung, ganz ehrlich. Nur so viel steht fest: Ich bleibe mit beiden Beinen auf dem Boden.

Das gleiche gilt im Großen und Ganzen auch für Armando, er soll in China keine Wettkämpfe mehr fliegen, sondern nur noch Nachkommen züchten.

Genau, er hat jetzt ein ziemlich angenehmes, neues Leben vor sich.

Ist das nicht eine ungehörige Verschwendung für so ein Talent?

Wer sagt, dass er in der Zucht nicht vielleicht auch begabt ist? Armando ist jetzt fünf Jahre alt, sein neuer Besitzer kann ihn gut und gerne noch zehn Jahre nutzen. Macht er das anständig, kann sich seine Investition lohnen.

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