Sozialarbeiter im Fall Kevin Rückkehr des Beschuldigten

Kevin wurde von seinen Eltern misshandelt, bis er starb. In seinem Prozess wegen fahrlässiger Tötung galt der für den Jungen verantwortliche Sozialarbeiter als nicht verhandlungsfähig. Arbeitsfähig sei er aber schon, bescheinigt ihm nun ein Amtsarzt.

Von Ralf Wiegand

Einer der Hauptschuldigen am Behördenversagen, das den Tod des zweieinhalbjährigen Kevin aus Bremen mitverschuldet hat, wird wieder im Amt für soziale Dienste der Hansestadt beschäftigt. Der Sachbearbeiter Günther J. war zuletzt neben Kevins Amtsvormund mitangeklagt wegen fahrlässiger Tötung.

Günther J. war eit 26. Februar 2004 für die "Kindeswohlsicherung" des einen Monat zuvor geborenen Kevin zuständig. Im Bild: Das Grab des kleinen Jungen in Bremen. 

(Foto: ddp)

Das Verfahren gegen den 58-Jährigen, der mit der Akte Kevin betraut war, hatte jedoch eingestellt werden müssen, da J. von einer Gutachterin als dauerhaft verhandlungsunfähig eingestuft worden war.

Die Sozialbehörde des Bundeslandes hatte daraufhin versucht, J. wegen Arbeitsunfähigkeit in den Ruhestand zu schicken, wogegen der sich aber zur Wehr setzte. Nun hat eine amtsärztliche Untersuchung ergeben, dass J. voll arbeitsfähig ist.

Die Sozialbehörde nimmt keine Stellung zu dem Fall. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung wird das Amt J. wieder zur Arbeit einbestellen. Er wird aber nicht an seinen alten Arbeitsplatz zurückkehren und keine Fälle mit Kindern oder Jugendlichen mehr betreuen. Die Staatsanwaltschaft Bremen prüft, ob es Anhaltspunkte gibt, die Verhandlungsfähigkeit des Sozialarbeiters neu bewerten zu lassen.

Günther J. gilt als eine Schlüsselfigur im Fall Kevin. Der Junge war im Oktober 2006 tot im Kühlschrank seines Ziehvaters gefunden worden. J. war "Case-Manager", also Sachbearbeiter des Fachdienstes Junge Menschen im Sozialamt des Bremer Stadtteils Gröpelingen und in dieser Funktion seit 26. Februar 2004 für die "Kindeswohlsicherung" des einen Monat zuvor geborenen Kevin zuständig. Das Klinikum, in dem der Junge geboren worden war, hatte Zweifel an der Erziehungsfähigkeit der drogensüchtigen Eltern geäußert.

Die Staatsanwaltschaft hatte J. in der Anklage wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen vorgeworfen, über zwei Jahre alle Anzeichen, die auf eine Kindeswohlgefährdung hingedeutet hatten, entweder übersehen, falsch bewertet oder unangemessen darauf reagiert zu haben. J. hat nach Ansicht der Staatsanwaltschaft alle Gelegenheiten verstreichen lassen, Kevin aus seiner Familie zu nehmen - und damit auch in Sicherheit vor seinem Vater zu bringen, der ihn später tötete.