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Brasilien:Rio de Janeiro erlebt blutigsten Polizeieinsatz seiner Geschichte

Die Einsatzkräfte liefern sich heftige Gefechte mit mutmaßlichen Mitgliedern von Drogenbanden. 25 Menschen kommen ums Leben, einige Unbeteiligte werden von Querschlägern verletzt.

Beim blutigsten Polizeieinsatz in der Geschichte der brasilianischen Millionenmetropole Rio de Janeiro sind mehr als zwei Dutzend Menschen ums Leben gekommen. Bei den heftigen Gefechten zwischen mutmaßlichen Mitgliedern von Drogenbanden und der Polizei in der Favela Jacarezinho seien mindestens 25 Menschen getötet worden, berichtete das Nachrichtenportal G1 am Donnerstag. Nach Angaben der Polizei handelte es sich bei den Opfern um 24 Verdächtige und einen Beamten der Anti-Drogen-Einheit.

Zudem wurden zwei Fahrgäste der Metro, die in der Nähe des Armenviertels im Norden von Rio fährt, in einem U-Bahn-Wagen angeschossen. Ein Mann wurde in seinem Haus von einem Querschläger im Fuß getroffen. Außerdem wurden zwei Polizisten bei dem Einsatz verletzt.

G1 wertete Informationen der staatlichen Universität UFF und der App "Fogo Cruzado" (Kreuzfeuer) aus, die Daten über bewaffnete Gewalt sammelt. Demnach war dies die Polizei-Operation mit den meisten Toten in der Geschichte Rio de Janeiros. "Man kann das nur als einen katastrophalen Einsatz bezeichnen", sagte der Soziologe Daniel Hirata von der UFF. "Es handelt sich um eine Aktion, die von den Polizeibehörden genehmigt wurde. Das macht die Sache noch viel schwerwiegender."

Im Juli hatte der Oberste Gerichtshof (STF) in Brasília Polizei- Einsätze in Favelas während der Corona-Pandemie ausgesetzt. Diese sind nur in "absoluten Ausnahmefällen" erlaubt. Rios Polizei bezeichnete dies laut der Zeitung Folha de S. Paulo als "Justiz-Aktivismus" und versicherte, dass sie alle Anforderungen des STF erfüllt habe.

Ein Stützpunkt für das "Rote Kommando"

Die Favela Jacarezinho gilt als einer der Stützpunkte des "Comando Vermelho" (Rotes Kommando) im Norden Rios, den dieses unter anderem mit Barrikaden schützt. Mächtige Verbrechersyndikate wie das "Comando Vermelho" und eine Reihe kleinerer Banden ringen in den Armenvierteln um die Kontrolle von Drogenhandel und Schutzgeldgeschäft.

Angesichts heftiger Schusswechsel und Explosionen konnten Bewohner, unter ihnen eine Braut und eine Schwangere, stundenlang ihre Häuser nicht verlassen. Eine Klinik blieb geschlossen.

Mehr als 5800 Tote bei Polizeieinsätzen im Jahr 2019

In keinem anderen Land der Welt kommen so viele Menschen bei Polizeieinsätzen ums Leben wie in Brasilien. Im Jahr 2019 töteten Sicherheitskräfte in dem südamerikanischen Land 5804 Menschen, wie aus einem Gewaltmonitor hervorgeht, der von G1, dem Brasilianischen Forum für öffentliche Sicherheit und der Universität von São Paulo betrieben wird. In den USA erschossen Polizisten im gleichen Jahr 1098 Menschen, in Deutschland wurden 14 Personen von Beamten getötet.

Die Verhältnisse sowie die Arbeitsbedingungen der Polizei in Europa lassen sich nicht mit denen in Brasilien vergleichen: Viele Armenviertel werden von schwer bewaffneten Drogenbanden kontrolliert. Rückt die Polizei in den Favelas ein, um einen Haftbefehl zu vollstrecken oder nach Rauschgift zu suchen, wird sie nicht selten mit Salven aus Sturmgewehren empfangen. Solche Operationen in Rio de Janeiro oder São Paulo gleichen eher Militäreinsätzen als Polizeimaßnahmen. Menschenrechtsaktivisten werfen Polizei und Streitkräften allerdings vor, mit übertriebener Härte vorzugehen.

© SZ/dpa/aner/kast
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