Brasilien Polizei erschießt spanische Touristin in Rio de Janeiro

Die in Rio de Janeiro von Polizisten angeschossene Spanierin wurde in dieses Krankenhaus gebracht und starb dort.

(Foto: AFP)

Die Frau war mit einem Auto in der größten Favela der Stadt unterwegs. Als der Wagen an einer Straßensperre nicht anhielt, eröffnete die Polizei das Feuer.

Die Polizei in Rio de Janeiro hat bei einem Kampfeinsatz in der Favela Rocinha versehentlich eine Touristin aus Spanien erschossen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters habe ihr Auto an einer Polizeisperre nicht angehalten. Die BBC berichtet unter Berufung auf eine Polizeimitteilung, die Polizei habe daraufhin das Feuer eröffnet, es aber wieder eingestellt, als sie bemerkt habe, dass es sich um Touristen handelte.

Nach Angaben der Polizei war die Frau 67 Jahre alt. Sie wurde noch in ein Krankenhaus gebracht, wo sie dann starb. Der Polizist, der die tödlichen Schüsse abgegeben hat, sei in Gewahrsam genommen worden, der Fall werde untersucht.

Nach Angaben der BBC war die Frau mit drei anderen Touristen - es soll sich um ihren Bruder und dessen Frau handeln - und einem Fremdenführer unterwegs. Dieser soll aus Italien stammen. Der britischen Zeitung The Guardian zufolge ist es der dritte Fall innerhalb eines Jahres, bei dem Touristen in den Favelas von Rio erschossen worden sind.

Soldaten kämpfen gegen Drogenbanden

In Rocinha, der größten Favela der Olympiastadt von 2016, ist die Lage seit Wochen extrem angespannt. Polizei und Soldaten versuchen mit Razzien und Kampfeinsätzen, die Macht der Drogenbanden zu brechen. Vor der Attacke auf das Touristen-Auto waren Polizisten von Drogenhändlern angegriffen worden. Zwei Polizisten wurden bei den Schusswechseln verletzt.

Rocinha galt lange Zeit als befriedet und ist ein beliebtes Ausflugsziel von Touristen, die ein wenig das Leben in den Armenvierteln mit ihren an die steilen Hänge gebauten Häusern kennenlernen wollen. Wegen starker Sparzwänge unter anderem bei der Polizei hat sich im Jahr nach Olympia die Sicherheitslage sehr verschlechtert. Die Regierung hat 8500 Soldaten geschickt, die bis Anfang 2018 helfen sollen, Gewalt und Kriminalität einzudämmen.

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