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Brasilien:Der nackte Wahnsinn

Spaghetti pants

In Unterhosen wurde schon alles Mögliche versteckt: Waffen, Drogen und Falschgeld. Ach, warum nicht auch mal ein Topf Spaghetti?

(Foto: Zachary Rathore/Getty Images)

Brasilianische Polizisten haben bei einem Vertrauten von Präsident Bolsonaro viel Geld entdeckt, in der Unterhose. Ein fast schon gängiges Versteck in Verbrecherkreisen - und vor allem: ein schlechtes.

Von Martin Zips

Wer das Privileg hat, anderen gelegentlich in die Unterwäsche schauen zu dürfen, kann Erstaunliches entdecken. Waffen, Tiere, Falschgeld, Rohrbomben oder Drogen zum Beispiel, all das fanden Ordnungshüter dort schon. Und jetzt sollen Beamte der brasilianischen Bundespolizei bei einem Vertrauten von Präsident Jair Bolsonaro zwischen den Gesäßhälften 30 000 Reais entdeckt haben. Bargeld in Höhe von umgerechnet etwa 4500 Euro, versteckt in einer Unterhose.

Chico Rodrigues, Bolsonaros Koalitionsfreund sowie Senator des Bundesstaates Roraima, wurde laut Medienberichten in seiner Wohnung in Boa Vista von Fahndern besucht. Sie interessierten sich für den Verbleib staatlicher Millionen, die eigentlich zur Corona-Bekämpfung im von der Pandemie stark gebeutelten Brasilien bestimmt waren. Da die Polizisten an einer Stelle von Rodrigues' Körper eine rechteckige Ausstülpung bemerkten, durfte sich der 69-Jährige zunächst entkleiden und anschließend sein Amt als stellvertretender Vorsitzender der Regierungsfraktion im Senat zur Verfügung stellen.

Waschtag

Diese eher unförmigen Buxen würden wohl gut als Versteck taugen. Ungeeignet: der String-Tanga.

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Nun gibt es, das weiß man spätestens seit Doris Dörries immer noch sehenswertem Film "Männer" von 1985, sehr unterschiedliche Arten der männlichen Geschlechtsbekleidung. So beispielsweise jene hellen Boxershorts, die der Darsteller Heiner Lauterbach in dem erwähnten Werk trägt. Oder den Leopardenslip, mit dem wiederum sein Kollege Uwe Ochsenknecht in die deutsche Filmgeschichte einging. Als Schlupfwinkel veruntreuter Banknoten eignen sich beide Arten jedoch nur sehr eingeschränkt. Besser wäre eine massive Schamkapsel, wie sie bei König Heinrich VIII. von England auf dem Portrait von Hans Holbein des Jüngeren um 1540 zu sehen ist.

Leider ist nicht überliefert, welches Futteral genau dem Politiker Rodrigues ("Ich habe eine saubere Vergangenheit") zum Verhängnis wurde. Nicht auszuschließen, dass er in seinen Privaträumen in einem sogenannten String-Tanga überführt werden konnte. "Tanga", das bedeutet in verschiedenen Ausdrucksweisen indigener Völker "Lendenschurz" und erfreut sich auch heute noch (nicht nur an südamerikanischen Stränden) größter Beliebtheit. Zum Transport von Papiergeld indes kann der Tanga nur bei noch nicht völlig erschlaffter Gesäßmuskulatur empfohlen werden. Immerhin: Nach dem Kaumuskel ist der Gesäßmuskel der zweitstärkste Skelettmuskel des menschlichen Körpers.

Für lange Unterhosen ist es in Brasilien leider zu warm

Als Versteck wesentlich besser geeignet wären russische Beinkleider, von denen etwa der ehemalige deutsche Diplomat Andreas Meyer-Landrut in seinem Buch "Mit Gott und langen Unterhosen" berichtet. Bis zum Knöchel reichende Unterwäsche dürfte allerdings in einem Land wie Brasilien, das zwischen fünf Grad nördlicher Breite und 34 Grad südlicher Breite liegt, höchstens in entlegenen Gebirgsregionen anzutreffen sein.

Was nun mit den 30 000 Reais passiert, die sich bei Bolsonaros Politfreund Chico Rodrigues in der wie auch immer gearteten Herrenunterwäsche fanden, das dürfte auch aus virologischer Sicht nicht uninteressant sein. Der Begriff "Geldwäsche" jedenfalls dürfte hier eine völlig neue Wendung erfahren.

© SZ/nas
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