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Brasilien:Der Häftling mit der Gummimaske

Verkleidet als seine Tochter wollte der Drogenhändler Clauvino da Silva aus einem Gefängnis in Rio de Janeiro fliehen. Doch dann lief etwas schief.

Man weiß nicht, ob Clauvino da Silva im Gefängnis Gericinó in Rio de Janeiro die Möglichkeit hatte, Klatschmagazine zu lesen. Gäbe es die, dann hätte er zur Vorbereitung auf seinen Fluchtversuch studieren können, was wichtig ist, wenn man sich maskiert, verkleidet und als jemand anderes ausgibt: nicht nur Outfit und Haare, auch ein souveränes Auftreten.

So, wie es Damian Hurley vergangene Woche vorgeführt hat. Der 17-jährige Sohn von Schauspielerin Liz Hurley wählte erstens ein Outfit, das dem legendären Versace-Kleid mit den Sicherheitsnadeln ähnlich sah, das seine Mutter einst zur Premiere von "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" trug. Er ließ sich zweitens eine Föhn-Frisur verpassen, auf die Liz Hurley neidisch sein könnte und er trug, drittens, beides mit absoluter Selbstverständlichkeit über den Laufsteg, bei seiner ersten Model-Show.

Clauvino da Silva, einst der Chef von einer der mächtigsten Drogenbanden in Rio de Janeiro, hatte sich auch um ein Outfit gekümmert. Er hatte sich Gummimaske und Perücke besorgt, einen BH angelegt, sich Skinny-Jeans und dieses T-Shirt angezogen, quietschrosa und mit einem Cartoon-Motiv aus angebissenen Donuts drauf. Da Silva, 42, verurteilt zu mehr als 70 Jahren Gefängnis wegen bandenmäßigen Drogenhandels, glaubte, so als seine 19-jährige Tochter durchzugehen, die ihn zuvor im Gefängnis besucht hatte. Einfach durch den Eingang ins Freie zu gelangen, das war seine Idee.

Doch da Silva, dem 2013 mit Dutzenden anderen Gefangenen schon mal ein Ausbruch gelungen war, flog auf. Wie brasilianische Medien berichten, sei er nervös geworden und habe sich verdächtig verhalten. Die Gefängnisbeamten hätten ihn gestoppt, bevor er den Ausgang erreichen konnte. In einem Video, das die Behörden veröffentlicht haben, sieht man, wie da Silva nach und nach alle Verkleidungsutensilien abstreift.

Er, seine Tochter und sieben weitere Personen, so heißt es, würden nun von der Polizei verhört. Ermittelt werde auch gegen eine schwangere Frau. Sie soll die Gummimaske in die Haftanstalt geschmuggelt haben, weil Schwangere bei Gefängnisbesuchen für Gewöhnlich nicht durchsucht werden. Der Guardian schreibt außerdem, das da Silva mit disziplinarischen Maßnahmen rechnen muss - und nun in ein Hochsicherheitsgefängnis verlegt wird.

Update, 07.08.: Inzwischen hat der Fall, der Anfang der Woche weltweit Erheiterung auslöste, eine ernste Wendung bekommen. Der Gefangene ist am Dienstag tot in seiner Zelle aufgefunden worden,hier der Link zur Meldung. Aus Pietätsgründen haben wir uns daher entschlossen, die ursprüngliche Meldung im Tonfall anzupassen.

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