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Manaus:42 Inhaftierte tot in Gefängnissen in Brasilien entdeckt

Unruhen in brasilianischem Gefängnis

Angehörige der Opfer warten vor dem Anisio Jobim Gefängnis in Manaus.

(Foto: dpa)

Während der Besuchszeit kommt es in einer Haftanstalt der Stadt Manaus zu Unruhen. Anschließend werden auch in drei weiteren Gefängnissen tote Insassen gefunden.

In vier Haftanstalten in der nordbrasilianischen Stadt Manaus sind am Montag mindestens 42 Insassen tot aufgefunden worden. Das Amazonas State Penitentiary Department bestätigte die Zahl der Todesfälle.

Bereits am Vortag waren in einem der Gefängnisse 15 Menschen bei einer Auseinandersetzung rivalisierender Gefängnisgangs getötet worden. Den Behörden zufolge wurden die Gefangenen erstickt und erstochen. Die neuen Todesopfer seien alle erwürgt worden. Ein Sozialarbeiter sei von Häftlingen verletzt worden.

Die Unruhen begannen am Sonntag in der Haftanstalt Anisio Jobim während der Besuchszeit. Die Häftlinge seien teils mit selbstgebastelten Stichwaffen übereinander hergefallen, teilten die Behörden mit. In diesem Gefängnis wurden am Montag weitere Tote in deren Zellen gefunden.

Die Behörden hätten die Kontrolle über die vier Gefängnisse wiedererlangt, hieß es in einer Erklärung. Weitere Angaben wurden nicht gemacht. In Brasilien, wo Drogenbanden de facto die Kontrolle über fast alle Gefängnisse haben, breiten sich Gefängniskonflikte oft schnell aus. So starben im Januar 2017 fast 150 Gefangene während drei Wochen der Gewalt im Norden und Nordosten Brasiliens, als sich lokale Banden, unterstützt von den beiden größten Drogenfraktionen Brasiliens, gegenseitig reihenweise umbrachten. Die Regierung des Präsidenten Jair Bolsonaro habe zusätzliche Sicherheitskräfte nach Manaus entsandt, erklärte am Montag der Gouverneur von Amazonas.

© SZ.de/dpa/Reuters/ebri/eca
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