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Brandenburg:Mysteriöse Häufung von Krebsfällen an Grundschule

  • Mehrere Krebserkrankungen an einer Grundschule sorgen für große Unruhe in der brandenburgischen Stadt Forst.
  • Nachdem im Februar bekannt geworden war, dass drei Schüler der vierten Jahrgangsstufe an Krebs erkrankt waren, wird nun untersucht, ob Rückstände von Chemikalien aus DDR-Zeiten Ursache für die Erkrankungen sein könnten.
  • Für Ende der Woche werden die Ergebnisse der ersten Messreihe erwartet.
  • Der Schulbetrieb soll nach den Ferien wie gewohnt weitergehen, drei Eltern wollen ihre Kinder jedoch vorläufig nicht zur Schule gehen lassen.

Erste Ergebnisse Ende der Woche

Die Grundschule Nordstadt in der brandenburgischen Stadt Forst ist eine Schule wie jede andere. Ein roter Backsteinbau, 300 Schüler, Hort. Doch nun sind hier mehrere Kinder an Krebs erkrankt, und sie alle gehen in die vierte Klasse. Drei Krebsfälle an einer Schule in derselben Jahrgangsstufe - das sorgt in Forst für Aufruhr. Eltern befürchten, dass es eine bestimmte Ursache geben könne: Chemikalien aus DDR-Zeiten nämlich. Genauer gesagt LCKW, Leichtflüchtige Chlorkohlenwasserstoffe, die aus einer früheren Textilreinigungsfirma in der Nähe stammen könnten.

Ob es tatsächlich einen Zusammenhang gibt und ob an der Schule die Gesundheit von Schülern in Gefahr ist, wird derzeit untersucht. Nachdem sich die Schulleitung im Februar an die Stadt gewandt hatte, werden nun vom Landeslabor Brandenburg Proben genommen. Bei Messungen in Luft, Boden und Wasser werde nach LCKW, aber auch nach Schadstoffen wie Formaldehyd gesucht, sagt der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Forst, Sven Zuber (CDU). Für Ende der Woche werden die Ergebnisse der ersten Messreihe erwartet.

2003 wurden Spielplätze gesperrt

Dass es in der Stadt Schadstoffe gibt, ist unbestritten. Die DDR-Firma "Lausitzer Textilreinigung Forst" nützte LCKW als Lösungsmittel, das Grundwasser rund um die ehemalige Reinigung ist belastet. 2003 wurden deswegen Spielplätze gesperrt. Die Grundschule mit ihren zwölf Klassenräumen, der Turnhalle und einem großen Sportplatz wurde 2005 allerdings komplett saniert.

Bis die Resultate vorliegen, gehe man daher davon aus, dass es sich um "eine unglückliche Häufung" von Erkrankungen handle, sagt Zuber. Die drei Kinder leiden an unterschiedlichen Krebsarten, zwei werden auf der Krebsstation des Cottbuser Klinikums behandelt, eines kann wieder zur Schule gehen. Die Mitschüler nehmen großen Anteil, eine Klasse hat gemeinsam mit ihrer Lehrerin für einen kranken Jungen eine Spendenaktion gestartet und 500 Euro gesammelt.

Eltern in Sorge

Der Schulbetrieb soll nach den Osterferien nächste Woche normal weitergehen, sagt der stellvertretende Bürgermeister Zuber. Die Stadt will dann einen Informationsabend für die Eltern veranstalten, bei dem es um die Messungen gehen soll. Auch werde ein Elternbrief verschickt. Viele Eltern sind dennoch in großer Sorge, seit sie von den Krebserkrankungen wissen. Drei wollen ihre Kinder nicht zur Schule schicken, bis die Messungen abgeschlossen sind, andere haben sich zu einer Elterninitiative zusammengeschlossen.

Sollten die Messungen ergeben, dass die Schule tatsächlich von Schadstoffen belastet sei, wollen sie sich für einen anderen Standort starkmachen. Zuber sagt, für den Fall des Falles gebe es "einen Plan B mit Ausweichquartieren in der Stadt".