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Brand in Derby:Tod von sechs Kindern - Vater muss lebenslänglich in Haft

Um seiner Ex-Freundin ein Verbrechen anzuhängen, setzte Mick Philpott gemeinsam mit seiner Frau das eigene Haus in Brand. Sechs ihrer Kinder kamen bei dem Feuer im englischen Derby ums Leben. Jetzt hat ein Gericht den 56-Jährigen zu lebenslanger Haft verurteilt.

Der Fall hielt Großbritannien wochenlang in Atem - jetzt steht das Strafmaß fest: Ein Gericht im englischen Nottingham hat Mick Philpott zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, seine Frau Mairead und ein gemeinsamer Freund des Ehepaars müssen für jeweils 17 Jahre ins Gefängnis. Ihnen wird vorgeworfen, für den Tod von sechs Kindern im Alter von fünf bis 13 Jahren durch ein absichtlich gelegtes Feuer verantwortlich zu sein.

Fünf gemeinsame Kinder des Ehepaars und ein Sohn Mairead Philpotts aus einer früheren Beziehung waren am 11. Mai 2012 beim Brand ihres Elternhauses in der englischen Kleinstadt Derby an einer Rauchvergiftung gestorben. Das Feuer hatte sie im Schlaf überrascht. Laut Staatsanwaltschaft legten die Eheleute den Brand selbst - die Kinder wollten sie demnach allerdings nicht in Gefahr bringen.

Philpott soll Medienberichten zufolge noch versucht haben, die von den Flammen bedrohten Kinder durch ein Fenster zu retten. Auch Nachbarn seien herbeigeeilt - jedoch ohne etwas ausrichten zu können. Der Brand, der als kleines Feuer geplant war, geriet weitaus größer, als erwartet. Die Staatsanwaltschaft sprach von einem "Plan, der katastrophal und tragisch schief lief".

Philpott wollten Verdacht auf Ex-Freundin lenken

Nach Angaben der Ankläger wollte das Ehepaar die Brandstiftung der Ex-Freundin Philpotts, Lisa Willis, anhängen. Mit ihr hat Philpott vier weitere Kinder, für die die 29-Jährige das alleinige Sorgerecht einklagen wollte. Das Ehepaar hatte offenbar den Plan, den Verdacht nach dem Brand auf Willis zulenken und ihr so das Sorgerecht streitig zumachen.

Willis hatte zunächst noch mit den vier Kindern auf dem Grundstück der Philpotts gelebt, war aber im Februar samt dem Nachwuchs ausgezogen. Dies hatte Mick Philpott offenbar nicht verkraftet. Er legte das Feuer gemeinsam mit seiner Ehefrau und dem Komplizen wenige Stunden, bevor er sich mit Willis wegen des Sorgerechts zu einem Gerichtstermin treffen sollte.

"Jenseits der Vorstellungskraft eines normal denkenden Menschen"

Philpott hatte 17 Kinder mit fünf verschiedenen Frauen. Für die Justiz ist er kein Unbekannter: 1978 wurde er wegen des Versuchs verurteilt, seine damalige Ex-Freundin umzubringen. Einem Bericht des Guardian zufolge hatte er sie nachts in ihrem Schlafzimmer überfallen und mit mehreren Messerstichen schwer verletzt.

Auch die Richterin, die jetzt das Strafmaß verkündete, sah Mick Philpott als treibende Kraft hinter der Brandstiftung. Er habe den gefährlichen Plan ausgeheckt, der "jenseits der Vorstellungskraft eines normal denkenden Menschen" liege.

© Süddeutsche.de/AFP/feko/sebi/ratz

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