Süddeutsche Zeitung

Brand auf Schloss Elmau:"Wir haben noch Glück gehabt"

Das traditionsreiche Alpen-Schloss Elmau ist bei einem Brand zu einem großen Teil zerstört worden. Mehr als 400 Gäste und Angestellte mussten aus dem brennenden Hotel fliehen.

Im weißen Bademantel steht eine Frau vor dem brennenden Schloss Elmau in Krün in den Alpen. "Alles ist weg. Aber wenigstens sind wir mit dem Leben davon gekommen", sagt die etwa 40-jährige Touristin aus der Nähe von Düsseldorf.

Hinter ihr züngeln Flammen aus dem Dach des Nobelhotels. Als am Sonntagmorgen der Feueralarm ausgelöst wurde, schliefen mehr als 400 Menschen in dem Denkmal geschützen Gebäude. Acht von ihnen wurden leicht verletzt, dazu noch zwei Feuerwehrmänner. Noch am Sonntagnachmittag stehen Teile des Hotels lichterloh in Flammen.

Das Dach droht einzustürzen.

Im Dachgeschoss-Zimmer 165 hatte der ehemalige Geschäftsführer des Hotels gegen 5.30 Uhr einen Defekt an seiner Heizdecke bemerkt. Der 91-Jährige ruft seine Betreuerin zur Hilfe. Als diese eintrifft, steht der Raum bereits in Flammen. Was folgt, ist Flucht und Angst: "Wir sind durch das Fenster gestiegen und über das Dach zu einem anderen Fenster wieder ins Haus gekommen", schildert eine Mutter, wie sie sich und ihre beiden kleinen Kinder vor den Flammen rettete.

Einige Hotelgäste laufen von Zimmer zu Zimmer, rufen immer wieder "Feuer, Feuer", um die Schlafenden zu wecken. Nach der Rettungsaktion sind kritische Stimmen zu hören: Der Alarm und die Lautsprecheranlagen seien nicht besonders laut gewesen, heißt es.

"Ich bin froh, dass niemandem etwas passiert ist. Die Erleichterung ist groß", sagt Geschäftsführer Dietmar Müller-Elmau, als alle Menschen das Gebäude verlassen haben.

In Nachthemden und Bademänteln stehen die Hotelgäste vor dem Gebäude. Die meisten sind gefasst. "Wir haben noch Glück gehabt", ist der einhellige Tenor. Busse bringen einen Teil der Gäste ins nahe gelegene Gut Elmau, später werden alle 400 Menschen in der Kaserne in Mittenwald untergebracht. Feldlager, warme Getränke und Kleidung werden herbeigeschafft. Die meisten konnten ihr Gepäck nicht retten.

Das ganze Ausmaß des Brandes wird erst Stunden später deutlich. Zuerst wird das dreistöckige Dachgeschoss im Südflügel ein Raub der Flammen, dann breitet sich das Feuer auf die oberen Stockwerke des Westflügels aus. Am Vormittag haben die 300 Feuerwehrmänner den Brand zeitweise unter Kontrolle.

Als sie jedoch Teile des Daches entfernen, um einzelne Glutnester zu erreichen, flammt das Feuer erneut auf. "Es brennt wieder lichterloh", verkündet die Polizei am Mittag.

Am Nachmittag steht dann auch das Dachgeschoss im Nordflügel in Flammen. Die unteren Etagen sind vom Löschwasser schwer beschädigt.

Die Feuerwehrleute dürfen das Gebäude jetzt nicht mehr betreten - akute Einsturzgefahr. Die Polizei spricht von einem Schaden in Millionenhöhe. "Was mich wundert, ist, dass das Feuer sich so ausbreiten konnte, und die Feuerwehr dem Feuer nur hinterherlöscht", sagt Müller-Elmau. Eigentlich habe das alte Gebäude über Brandschutzwände verfügt. Dennoch war der Brand nicht aufzuhalten.

Das traditionsreiche Alpenschloss Elmau war im Jahr 1916 erbaut worden. Unter der Führung von Müller-Elmau avancierte es seit 1997 zum Nobelhotel mit 170 Zimmern, Suiten und Appartementes. Zudem entwickelte sich das Schloss zum intellektuellen Zentrum und Musikforum. Prominente Wissenschaftler und Politiker aus der ganzen Welt kamen, um an international beachteten Symposien teilzunehmen.

Gäste aus Israel und den USA quartierten sich regelmäßig in Elmau ein. Bereits als das Hotel am Sonntagnachmittag noch brennt, geht Geschäftsführer Müller-Elmau von einem "Totalschaden" aus.

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