Süddeutsche Zeitung

Boy Scouts of America:Schwule dürfen US-Pfadfinder anführen

  • Die US-Pfadfinder haben das Verbot für homosexuelle Gruppenführer aufgehoben.
  • Der Verband wäre andernfalls wohl erfolgreich verklagt worden.
  • Für Boy-Scout-Verbände, die Geld von Kirchen erhalten, gelten weiterhin Ausnahmen.

45 von 12 Stimmen für die Reform

Die amerikanischen Pfadfinder schließen homosexuelle Erwachsene nicht länger von Leitungsfunktionen aus. Zu Wochenbeginn billigte der nationale Aufsichtsrat der Boy Scouts of America (BSA) mit 45 zu 12 Stimmen eine sofortige Aufhebung des Verbots. Der Entscheidung war eine jahrelange Debatte vorausgegangen. Die Boy Scouts of America haben etwa 2,5 Millionen Mitglieder und eine Million erwachsene Freiwillige.

"Viel zu lange hat diese Sache uns gespalten und abgelenkt", sagte Pfadfinderpräsident Robert Gates, der früher Verteidigungsminister der USA war." Jetzt ist es an der Zeit, dass wir uns hinter unseren gemeinsamen Glauben stellen, dass dem Pfadfindertum eine außergewöhnliche, positive Kraft innewohnt." Hier Gates' offizielle Erklärung:

Von Kirchen finanziell unterstützte Pfadfindergruppen dürfen Schwule aus religiösen Gründen allerdings weiter von Leitungsaufgaben ausschließen.

Die Mormonen sind "zutiefst beunruhigt"

Nach einer hitzigen Debatte hatte die Organisation bereits 2013 offen schwul lebende Jugendliche als Pfadfinder zugelassen, jedoch nicht homosexuelle Erwachsene als Führer. Ende Mai ließ Gates bei einem nationalen Pfadfindertreffen dann durchblicken, dass sich das seit Langem bestehende Verbot nicht länger halten ließe. Andernfalls müsste die Organisation mit juristischen Klagen rechnen, die sie wahrscheinlich verlieren würde.

Anfang Juni gab das Exekutivkomitee der Pfadfinder seine Zustimmung für eine Rekrutierung erwachsener Leiter unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung. An der neuen Linie regte sich allerdings Kritik religiöser Gruppen. Die mormonische Kirche, die mehr Pfadfinderverbände als jede andere Organisation in den USA fördert, zeigte sich "zutiefst beunruhigt" über die Entscheidung. Kirchenvertreter deuteten an, als Ersatz für die Pfadfinder womöglich einen eigenen Verband zu bilden.

Applaus von Schwulenrechtsgruppen

Schwulenrechtsgruppen und religiöse Organisationen begrüßten die Entscheidung. "Scouts for Equality", eine Organisation, die sich seit 2012 für die Rechte Homosexueller bei den Pfadfindern einsetzt, sprach vom "Beginn eines neuen Kapitels". Andere Lobbyisten kritisierten hingegen die Ausnahmen für kirchliche Gruppen.

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