Boy Scouts of America:Zehntausende Vorwürfe wegen Missbrauchs gegen US-Pfadfinder

Boy Scouts Of America Could Remove Ban On Gay Adults

Eine Uniform mit Abzeichen der Boy Scouts of America.

(Foto: JUSTIN SULLIVAN/AFP)

Angesichts drohender Klagen hat die Organisation bereits Insolvenz angemeldet. Mehr als 90 000 Missbrauchsfälle wurden gemeldet. Kritiker fordern, die Boy Scouts of America abzuschaffen oder eine neue Form der Kontrolle einzuführen.

Gegen den US-Pfadfinderverband Boy Scouts of America sind Medienberichten zufolge mehr als 90 000 Beschuldigungen wegen sexuellen Missbrauchs eingegangen. Montag war der letzte Tag, an dem Betroffene im laufenden Insolvenzverfahren Ansprüche auf Entschädigung geltend machen konnten. Die Vereinigung hatte im Februar angesichts drohender Klagen Insolvenz angemeldet, um ihr Fortbestehen zu sichern und einen Entschädigungsfonds einzurichten.

Opferanwalt Andrew Van Arsdale sagte dem Fernsehsender CNN, beim Insolvenzgericht lägen mindestens 92 700 Klagen vor. Missbrauch habe nach Schilderungen der Betroffenen in manchen Gruppen zum Alltag gehört. "Dies sind unschuldige Jungen, die voller Leben und Hoffnung waren und auf eine der ekelhaftesten Arten missbraucht wurden, die ich je gesehen habe", sagte der Anwalt Christopher Hurley, der etwa 4000 mutmaßliche Opfer vertritt. "Es gibt einen Preis, der jetzt für das bezahlt werden muss, was diesen Leuten passiert ist."

"Ich bin nicht erfreut, dass es so viele Männer gibt, denen das passiert ist", zitiert CNN einen Mann, der eigenen Angaben nach in den 70er-Jahren zweimal missbraucht worden war. "Ich bin froh, dass diese vielen Berichte die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich ziehen und verhindern, dass andere Kinder wie wir angegriffen werden", sagte der 58-Jährige weiter. In der New York Times berichtete vor einiger Zeit ein Mann, wie er als Kind von einem Gruppenführer unter dem Vorwand einer medizinischen Untersuchung am Genital berührt worden sei. "Die Pfadfinder geben Pädophilen Zugang zu Jungen. Das muss aufhören", sagte er. Entweder müsse man die Boy Scouts ganz abschaffen oder eine neue Form der Kontrolle einführen.

Frage nach dem Vermögen der Pfadfinder

Der Verband habe eine "soziale und moralische Verantwortung, alle Opfer angemessen zu entschädigen", heißt es gleich auf der Startseite der Boy-Scouts-Homepage. Man glaube den Opfern und sei entsetzt, dass bei Pfadfinder-Programmen unschuldige Kinder missbraucht wurden. "Wir sind am Boden zerstört von der Anzahl der Leben, die durch Missbrauch in der Vergangenheit beim Scouting beeinflusst wurden, und bewegt von der Tapferkeit derer, die sich gemeldet haben. Wir sind untröstlich, dass wir ihren Schmerz nicht rückgängig machen können", heißt es in einer Stellungnahme der Pfadfinder.

In dem Insolvenzverfahren geht es auch um mögliche Verpflichtungen von Versicherungen. Die Pfadfinder sind in der Vergangenheit vor Gericht gezogen, weil sich die Firmen weigerten, etwaige Ansprüche wegen des Missbrauchs zu bezahlen. Die Taten hätten verhindert werden können, lautete das Argument der Versicherer. "Die Pfadfinder haben nicht das Geld, um diese Überlebenden fair zu bezahlen, ihre Versicherungsunternehmen müssen das übernehmen und versuchen aber, das zu vermeiden," sagt Opferanwalt Hurley. In dem Insolvenzverfahren geht es demnach auch um die Frage, welches Vermögen der Pfadfinder zur Zahlung möglicher Entschädigungen zur Verfügung steht. Seit Gründung 1910 waren laut Boy Scouts mehr als 130 Millionen Kinder und Jugendliche Mitglied in der Organisation.

© SZ/epd/Bloomberg/jael/lot
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