Boris Becker Diplomatenstatus: Es ist kompliziert

Eine Frage der Deutungshoheit: Boris Becker betont in Stellungnahmen und auf Twitter, er freue sich auf seine neue Aufgabe. Welche Privilegien die aber mit sich bringt, ist unklar.

(Foto: dpa)

Vielleicht doch kein Attaché: Der Büroleiter des zentralafrikanischen Außenministers spricht in Bezug auf Beckers Diplomatenpass von einer "Fälschung". Auch der Außenminister distanziert sich.

Von Max Sprick

Offiziell ist der Bürgerkrieg in der Zentralafrikanischen Republik seit zwei Jahren beendet. Seitdem regiert Präsident Faustin-Archange Touadéra über das ärmste Land der Welt, das beinahe doppelt so groß ist wie Deutschland, aber nur knapp 4,6 Millionen Einwohner hat. Inoffiziell gibt es immer noch und immer wieder blutige Konflikte. Bewaffnete Gruppen kontrollieren verschiedene Gebiete. Muslimische Milizen bekämpfen sich mit christlichen Gruppen und andersherum. Die Zentralafrikanische Republik verfügt über so gut wie keine Infrastruktur und kaum medizinische Versorgung. Staatliche Krankenhäuser gelten als kaum funktionsfähig. Wer in den seit 1960 unabhängigen Binnenstaat reist, muss mit erheblichen Risiken rechnen. Das Auswärtige Amt warnt vor der Gefahr von Entführungen, Plünderungen und Straßenüberfällen.

Man könnte es Boris Becker also hoch anrechnen, wenn er ernst meint, was der zentralafrikanische Botschafter in Brüssel, Daniel Emery Dede, nun mitgeteilt hat: Becker setze sich "für ein friedliches Miteinander ein" und nutze dabei "seine internationalen Verbindungen besonders in Sport und Kultur". Der frühere Tennisprofi sei "ein aufrichtiger Unterstützer", der vom Präsidenten der Zentralafrikanischen Republik in den diplomatischen Dienst berufen worden sei. So weit, so ehrenhaft. So weit, so unklar aber auch.

"Es ist ein Fakt, dass ich heute Diplomat von Zentralafrika bin"

Das sagt Boris Becker in einem Interview. Aus der Zentralafrikanischen Republik kommen dagegen widersprüchliche Aussagen, sogar von einer "Fälschung" des Diplomatenpasses ist die Rede. mehr ...

Becker selbst ist offenbar bislang noch nicht in das Land gereist, um dessen Frieden er sich angeblich bemüht. Ende April twitterte er ein Foto von sich mit Präsident Touadéra, der ihn in Brüssel zum Attaché für sportliche, humanitäre und kulturelle Angelegenheiten ernannte. Auf dieses diplomatische Amt und die damit verbundene Immunität hat Becker sich vergangene Woche berufen.

Seine Anwälte beantragten in London, dass das gegen ihn laufende Insolvenzverfahren nicht verlängert werden könne, ohne die Erlaubnis unter anderem des Außenministers der Zentralafrikanischen Republik einzuholen. Dieser Außenminister, Charles-Armel Doubane, sagte nun der Welt: "Boris Becker ist kein offizieller Diplomat der Zentralafrikanischen Republik." Seine Unterschrift sei nötig, um Becker als Diplomaten zu ernennen. Entsprechende Dokumente habe er nicht unterzeichnet. "Der Präsident hat mich nie darum gebeten, die entsprechenden Schritte im Falle von Boris Becker einzuleiten", sagte Doubane. Außerdem trete sein Land für Rechtsstaatlichkeit ein - "deshalb kann die Zentralafrikanische Republik Boris Becker vor einem Gericht nicht schützen".

Becker hatte den Vorwurf zurückgewiesen, den Job nur übernommen zu haben, um Immunität zu bekommen. "Ich bin ungeheuer stolz auf meine Berufung", ließ er mitteilen. "Sport ist in Afrika unglaublich wichtig." Noch aber muss Becker sich vor allem auf Großbritannien konzentrieren: Spätestens am Donnerstag wird dort entschieden, ob das Insolvenzverfahren gegen ihn verlängert wird.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir den Präsidenten der Zentralafrikanischen Republik mit Nachnamen "Toudera" geschrieben. Das ist falsch. Korrekt heißt er "Touadéra".

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