Bombenanschlag in Bangkok Ermittler fahnden nach Verdächtigem

  • Thailands Armee hat nach dem Bombenanschlag in Bangkok einen Verdächtigen ausgemacht.
  • Das Auswärtige Amt warnt: Deutsche Urlauber sollen in Thailand Menschenansammlungen meiden.
  • In einem belebten Viertel der thailändischen Hauptstadt Bangkok war am Montag eine Bombe explodiert.

Spur zu regierungsfeindlicher Gruppe

Nach dem Bombenanschlag auf einen beliebten Schrein in Bangkok haben die Ermittler offenbar einen ersten Verdacht. Im Visier hat das Militär einen Mann, der kurz vor der Detonation am Tatort mit einem verdächtigen Paket gesehen wurde. Das habe die Auswertung von Videos aus Überwachungskameras ergeben. Der Verdächtige gehöre vermutlich einer regierungsfeindlichen Gruppe an, die im Nordosten Thailands ansässig sei, sagte der Chef der thailändischen Militärjunta, Prayut Chan-O-Cha, der Nachrichtenagentur AFP zufolge.

Die Polizei untersucht am Morgen den Anschlagsort in Bangkok.

(Foto: AP)

Prayut, der als Regierungschef fungiert, sagte weiter, der Anschlag vom Montag sei "der schlimmste Angriff" in der Geschichte des Landes. Bei der Detonation eines Sprengsatzes mitten in einem belebten Einkaufsviertel der Stadt waren am Montag nach offiziellen Angaben mindestens 21 Menschen getötet worden, 123 weitere wurden verletzt. Am Ort der Explosion herrschte Chaos. Bilder zeigten brennende Trümmer, verkohlte Motorräder und Rettungskräfte, die verletzte Menschen abtransportieren.

Herkunft der Opfer - erste Liste von Verletzten

Unter den Todesopfern sei "eine erhebliche Zahl von Ausländern", sagte ein Polizeisprecher. Bei den meisten handele es sich um Touristen aus China und Taiwan. Im Auswärtigen Amt in Berlin bemüht man sich noch herauszufinden, ob auch Deutsche darunter sind.

Nach ersten Angaben gibt es keine Hinweise auf Opfer mit deutsch- oder europäisch klingenden Namen. Das geht aus einer von der Polizei erstellten Liste mit etwa 50 Namen hervor, die die Bangkoker Zeitung The Nation am Dienstag veröffentlichte. Hier ist aufgeführt, welche Touristen nach dem Anschlag in Krankenhäusern behandelt werden. Danach dürfte eine hohe Zahl der Verletzten aus China stammen.

Der Sprengsatz detonierte wenige Meter vom Erawan-Schreib entfernt. Klicken Sie in die Karte, um sie zu vergrößern.

(Foto: SZ.de)

Auswärtiges Amt: Demonstrationen meiden

Das Auswärtige Amt aktualisierte als Reaktion auf den Anschlag seine Reise- und Sicherheitshinweise für Thailand. "Reisenden wird empfohlen, besonders vorsichtig zu sein und diese Reisehinweise und die aktuelle Medienberichterstattung aufmerksam zu verfolgen", mahnt das Amt in seinen Hinweisen. "Weitere Anschläge auch in anderen beliebten Feriengebieten können nicht ausgeschlossen werden." Das Amt empfiehlt, Demonstrationen und Menschenansammlungen zu meiden.

Anschlag im Herzen Bangkoks

Die Bombenexplosion ereignete sich in einer belebten Gegend an der Kreuzung Rajprasong im Bezirk Pathum Wan. In der Nähe sind ein Hotel, mehrere Einkaufszentren und der bekannte Erawan-Schrein, der jedes Jahr sowohl von Hindus als auch von Tausenden Buddhisten besucht wird. Die Kreuzung war auch Zentrum vieler politischer Demonstrationen in den vergangenen Jahren.

"Die Täter wollten unsere Wirtschaft und den Tourismus zerstören, deshalb ereignete sich der Vorfall im Herzen des Touristenviertels", sagte Verteidigungsminister Prawit Wongsuwan. Die Polizei riegelte die Umgebung großräumig ab. Einsatzkräfte durchsuchten umliegende Gebäude nach weiteren Sprengsätzen. Mindestens eine weitere Bombe wurde nach Polizeiangaben gefunden und konnte entschärft werden.

Zwei Verletzte bei Explosion im Februar

Seit sich im Mai 2014 das Militär in der thailändischen Haupstadt an die Macht geputscht hatte, war es dort vergleichsweise friedlich. Zuvor hatte es monatelange Proteste der Opposition gegeben, die teilweise in Unruhen gemündet waren. Zuletzt wurde aber immer mehr Kritik am regierenden Militär laut, das Neuwahlen nicht vor 2017 abhalten und umstrittene Verfassungsänderungen umsetzen will.

Im Februar explodierte eine Bombe in einem Einkaufszentrum in Bangkok und verletzte zwei Menschen. Die Regierung vermutete damals, die Täter wollen die Militärregierung destabilisieren.

Erst im April wurden ebenfalls bei einer Explosion sieben Menschen auf der beliebten thailändischen Urlaubsinsel Samui verletzt. Eine Autobombe explodierte in der Tiefgarage eines Einkaufszentrums. Auch im Süden Thailands, wo muslimische Aufständische für einen eigenen Staat kämpfen, gibt es häufiger Bombenanschläge.