bedeckt München 23°

Bologna:Inferno auf der Autobahn

Ein Tanklaster mit Flüssiggas geht auf dem Autobahnring von Bologna in Flammen auf. Offenbar nach einem Unfall. Mindestens zwei Menschen sterben, etwa 70 werden verletzt.

Von Oliver Klasen, Bologna/München

Es ist ein Szenario wie aus einem Katastrophenfilm: Auf Fotos und Videos vom Unglück auf der Autobahn nahe Bologna, die am Montagabend von der italienischen Polizei veröffentlicht wurden, ist ein hochhausgroßer Feuerball zu sehen, eine riesige Rauchsäule über einem Gewerbegebiet und eine Brücke, die offenbar zu Teilen eingestürzt ist. Der Feuerball erstreckt sich weit über die acht Fahrspuren der Autobahn hinaus. Ein Tanklastwagen ist explodiert. Offenbar hatte er einen Unfall und ist infolge der Kollision in Flammen aufgegangen. Nach Angaben der lokalen Behörden sind zwei Menschen getötet und mindestens 60 verletzt worden, 14 von ihnen schwer.

Einige der Verletzten seien von Glassplittern getroffen worden, als Fensterscheiben in umliegenden Gebäuden zersprungen seien, berichtete der Fernsehsender Sky TG24. Unter ihnen sollen auch einige Polizisten sein, die nach einem Unfall, der sich kurz zuvor ereignet hatte, den Verkehr regelten.

Die Katastrophe ereignete sich am Montag gegen 14 Uhr auf der sogenannten Tangenziale, dem Autobahnring von Bologna. Die Autobahn führt am Gelände des Flughafens von Bologna entlang. Der Flugbetrieb war nach Angaben des Betreibers aber nicht betroffen. Die Auswirkungen auf den Verkehr waren allerdings immens, denn der betroffene Autobahnabschnitt ist Teil der A14, einer der wichtigsten Fernverkehrsverbindungen Italiens, die auch von vielen Touristen genutzt wird, die an der Adria Ferien machen.

Nahezu jeder, der am Montagnachmittag Richtung Rimini wollte, musste mit stundenlangen Verzögerungen rechnen.

Mehreren Berichten zufolge hatte der Lkw Flüssiggas geladen. Er sei zunächst in Brand geraten und dann explodiert. "Die Druckwelle war gewaltig", sagte Giovanni Carella, der Einsatzkoordinator der Feuerwehr, der Nachrichtenagentur Ansa. Die Explosion habe eine Kettenreaktion ausgelöst: Brennende Trümmerteile hätten Autos in Brand gesetzt, die teilweise explodiert seien. Von der Explosion erfasst wurde auch ein nahegelegenes Schnellrestaurant. Einer der Gäste berichtete der Zeitung La Repubblica von dem Moment, als das Unglück passierte: "Plötzlich brach das Glasdach des Restaurants zusammen. Menschen rannten davon. Ich blickte nach draußen, und es schien mir, als sei da nur eine riesige Feuerwand. Die Explosionen hielten sieben oder acht Minuten an. Ich dachte wirklich nicht an einen Unfall, sondern an einen Anschlag."

Die Feuerwehr twitterte, sie habe in großer Zahl Einheiten zum Unfallort geschickt. Es sei aufgrund der großen Hitzeentwicklung aber schwierig gewesen, das Feuer zu löschen. Auch ein Hubschrauber, der aus einem nahegelegenen Fluss Wasser schöpfte, war im Einsatz.

© SZ vom 07.08.2018

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite