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Bluttat in Kalifornien:Schütze kündigte Tat auf Youtube an

Ein 22 Jahre alter Student tötet in Kalifornien sechs Menschen. Vorher hatte die Polizei Hinweise auf eine Tat. Nun wird in den USA diskutiert: Hätte der Massenmord verhindert werden können?

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Ein Mann tötet in Kalifornien sechs Menschen und dann sich selbst. Nun beklagen die Hinterbliebenen der Opfer, die Bluttat hätte verhindert werden können. "Er ist gestorben aufgrund von Feiglingen, unverantwortlichen Politikern und der Schusswaffenvereinigung", sagt Richard Martinez, Vater eines Opfers. "Sie reden immer über das Recht, eine Waffe zu tragen. Was mit dem Recht von Chris zu leben?" Es geht um Waffenbesitz in den USA - aber auch darum, welche Details zum Täter der Polizei vor der Tat bekannt gewesen waren.

Bob Brown von der Polizei in Santa Barbara bestätigte, dass der Täter ein 22 Jahre alter Student am Santa Barbara City College ist. Es sei laut Brown "die Tat eines Verrückten" gewesen. Der Täter erstach zunächst drei Kommilitonen in seiner Wohnung, dann begab er sich zum Haus einer Schwesternschaft, wo er zwei Frauen erschoss und eine verletzte. Er fuhr mit seinem Auto zu einem Supermarkt und erschoss einen Passanten.

Danach fuhr er weiter und schoss aus seinem Auto heraus scheinbar wahllos auf Fußgänger und verletzte sie teils schwer. Er stieß mit einem Fahrradfahrer zusammen und krachte mit seinem Gefährt gegen einen geparkten Geländewagen. Die Polizei fand den Verdächtigen leblos in seinem Auto.

Eltern hatten vorher Polizei verständigt

Der Täter hatte ein Video erstellt, das er unmittelbar vor der Tat bei Youtube hochgeladen hatte. In ihm kündigt er detailliert sein Vorhaben an. Als Motiv gibt er an, dass er eine einsame Jungfrau sei und nicht verstehen würde, warum sich Mädchen nicht für ihn interessieren würden. Er wolle sich nun dafür rächen. Er hatte die Tat zudem vorab auf 137 Seiten niedergeschrieben.

Seine Eltern hatten vor wenigen Wochen bereits die Polizei verständigt, weil sie sich Sorgen gemacht hatten aufgrund anderer Videos, die ihr Sohn ins Internet gestellt hatte. Am 30. April fuhren zwei Polizisten zur Wohnung des Täters, um sich über seinen Zustand zu informieren. "Er war zuvorkommend und höflich, er schien ängstlich und schüchtern", sagte Polizist Brown: "Er berichtete von Schwierigkeiten bei seinem Sozialleben, und dass er im kommenden Semester nicht an die Universität zurückkehren wolle." Die Beamten beschlossen, dass Rodgers nicht die Kriterien für eine Festnahme erfüllen würde und verzichteten auf eine Durchsuchung der Wohnung.

Was sie dort jedoch gefunden hätten: die schriftliche Ankündigung und Schusswaffen. Der Täter besaß zwei Selbstladepistolen und eine halbautomatische Pistole, dazu mehr als 400 Schuss Munition. Er hatte sie laut Polizei legal bei registrierten Händlern erworben, sie waren auf seinen Namen zugelassen.

In seiner Niederschrift äußert sich der Täter zum Besuch der Beamten und deren Verzicht auf eine Durchsuchung der Wohnung: "Das hätte alles beendet. Für ein paar schreckliche Sekunden habe ich geglaubt, dass alles vorbei sei."

In Behandlung wegen psychischer Probleme

Laut Brown war der Täter schon vor der Benachrichtigung durch seine Eltern kein Unbekannter bei der Polizei. Im Juli vergangenen Jahres sei er im Krankenhaus behandelt worden. Bei der Befragung behauptete er, angegriffen worden zu sein. Die Ermittlungen hätten lauf Brown jedoch ergeben, "dass er der Aggressor gewesen sein könnte". Aufgrund mangelnder Beweise und Zeugen wurde der Fall jedoch eingestellt. Im Januar habe er seinen Zimmerkameraden angezeigt, weil der ihm Kerzen im Wert von 22 US-Dollar gestohlen habe.

Polizist Brown sagte auf der Pressekonferenz am Samstag: "Wir untersuchen gerade, was genau bei der Begegnung mit den Beamten passiert ist. Man muss jedoch verstehen, dass diese Anrufe nicht ungewöhnlich sind." Die Beamten seien gut ausgebildet und dafür geeignet gewesen, die Befragung durchzuführen. Er sagte auch, dass der Täter sich aufgrund psychischer Probleme in Behandlung begeben hatte - Brown wollte sich jedoch nicht zu Details äußern. Die Eltern des Täters ließen über ihren Anwalt mitteilen, dass ihr Sohn am Asperger-Syndrom gelitten habe, einer Form von Autismus.

Es gab also zahlreiche Hinweise darauf, dass er nicht nur Probleme bei sozialen Kontakten hatte, sondern dass er seine Tat langfristig und öffentlich geplant hatte. Die Polizei von Santa Barbara wird nun beantworten müssen, warum sie diesen Hinweisen nicht konsequenter nachgegangen ist. Zudem stellt sich die Frage, wie ein junger Mann, der sich aufgrund psychischer Probleme in Behandlung befindet und Videos mit gewaltsamen Ankündigungen ins Netz stellt, ganz legal drei Schusswaffen und 400 Patronen besitzen kann.

© SZ.de/fran
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