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Bluttat in Belgien:Bedauern ohne Reue

Erstmals hat sich der Amokläufer von Dendermonde zu der Tat geäußert. Neue Einzelheiten aus seinem Leben zeigen: Der junge Mann war schon seit Jahren auffällig.

Drei Tage nach seinem blutigen Angriff auf die Kinderkrippe "Märchenland" hat der Amokläufer von Dendermonde erstmals wieder geredet. Kim De Gelder sitzt im Gefängnis von Brügge. Er wird schwer bewacht, um ihn vor der Wut der anderen Insassen zu schützen.

Vor der Kinderkrippe in Dendermonde türmt sich ein Berg aus Blumen, Botschaften und Spielzeug. In Belgien sitzt der Schock immer noch tief.

(Foto: Foto: dpa)

Er nehme wieder Nahrung zu sich, heißt es, er wirke aufmerksam und ruhig, zeige aber keinerlei Gefühle. Was den 20-jährigen Flamen dazu trieb, auf die Babys einzustechen, bleibt weiter unklar. Sein Anwalt Jaak Haentjens sagt: "Ich glaube, er bedauert, was geschehen ist. So hat er sich jedenfalls ausgedrückt. Aber ich denke, man sollte das nicht für echte Reue halten."

Kim De Gelder hatte die Kinderkrippe der flämischen Kleinstadt am Freitagmorgen überfallen. Zwei Babys, neun und sechs Monate alt, und eine 54-jährige Betreuerin starben unter seinen Messerstichen. Zehn Kinder und zwei Erwachsene wurden verletzt.

Der Täter flüchtete zunächst auf einem Fahrrad, zwei Stunden später konnte ihn die Polizei aber festnehmen. In seinem Rucksack fanden sie ein Messer, ein Beil und eine Pistolenattrappe. Zudem einen schwarzen Eye-Liner und eine Zeichnung von Dendermonde, auf der außer dem "Märchenland" noch zwei weitere Kinderkrippen eingetragen waren.

Schon seit Jahren auffällig

Stück für Stück kommen Einzelheiten aus dem Leben des Amokläufers ans Licht. Sie zeichnen das Bild eines mental offenbar tief gestörten und schon seit Jahren auffälligen jungen Mannes. De Gelders Anwalt berichtet, sein Mandant habe im Alter von 15 und 16 Jahren eine schwere Depression gehabt.

Danach sei er seltsam geworden, habe Stimmen gehört. Die Eltern waren besorgt, wollten ihren Sohn in einer psychiatrischen Einrichtung unterbringen. Doch er ging zunächst nur in eine Therapie. Der behandelnde Psychiater habe eine feste Unterbringung nicht für nötig gehalten.

Kim De Gelder muss sich nicht nur für den Überfall auf die Kinderkrippe verantworten. Er wird außerdem beschuldigt, eine Woche zuvor in der 20 Kilometer von Dendermonde entfernten Stadt Beveren eine 73-jährige Rentnerin in ihrem Wohnhaus erstochen zu haben.

Kim De Gelder leugnet bisher strikt, mit dem Mord etwas zu tun zu haben. Die Polizei spricht dagegen von "zahlreichen Verbindungen" zwischen beiden Verbrechen. Belgische Medien berichten, die DNS-Spuren des Amokläufers seien im Haus der Rentnerin entdeckt worden. Angeblich seien bei Kim De Gelder auch zahlreiche Zeitungsausschnitte mit Berichten über den Mord gefunden worden.

Vor der Kinderkrippe in Dendermonde türmt sich unterdessen ein Berg aus Blumen und Spielzeug. Tausende Bürger und Repräsentanten der Politik haben in der Stadt in den vergangenen Tagen in Schweigemärschen und Trauer-Zeremonien der Opfer gedacht.

Für Belgien ist es innerhalb weniger Jahre die zweite schwere Amoktat. Vor drei Jahren hatte ein junger Mann aus Rassenhass auf offener Straße in Antwerpen ein Kind und ihre afrikanische Kinderfrau getötet und eine Türkin schwer verletzt. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

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