Viraler Song „Gut genug“„Ich habe den Refrain sogar schon auf Finnisch gesehen“

Lesezeit: 3 Min.

Plötzlich sind sie Stars: Rayan Djima (links) und Sammy Eickmann von der Band  Blumengarten .
Plötzlich sind sie Stars: Rayan Djima (links) und Sammy Eickmann von der Band Blumengarten. Kristina Wolf

Das Musikduo „Blumengarten“ aus NRW hat mit einem deutschen Song einen Social-Media-Hit gelandet. „Du bist gut genug“, singen sie jetzt sogar in den USA. Wie gehen die beiden mit dem plötzlichen Erfolg um?

Interview von Florian Ullmann

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Du bist gut genug. Schon gehört? Höchstwahrscheinlich, auf Tiktok und Instagram, dort geht der Refrain des deutschen Songs „Gut genug“ zurzeit viral. Vor allem in den USA, aber auch international. Jazz-Künstler Steve Lacy, Rapper Wiz Khalifa, Sängerin Lizzo zählen zu seinen Fans. Hinter dem Song steckt das Duo Blumengarten aus Velbert in Nordrhein-Westfalen: Sänger Rayan und Produzent Sammy.

SZ: Hallo „Blumengarten“, seid ihr gut genug für die internationale Bühne?

Rayan: Hi, ich weiß nicht, keine Ahnung.

Sammy: Auf jeden Fall.

Rayan: Ja, sind wir.

Warum, denkt ihr, ist euer Song so viral gegangen?

Rayan: Ich glaube, es hat etwas mit meiner Stimme zu tun, und mit der hohen Tonlage, die ich auf dem Song singe. Die löst einfach etwas bei den Leuten aus. Es ist jetzt nicht das erste Mal, dass Musik, die auf einer Sprache ist, die man selbst nicht versteht, die Runden dreht. Ich höre auch viel Musik in Sprachen, die ich nicht komplett verstehe. Zum Beispiel Latin-Musik. Und das lebt auch einfach nur vom Vibe, der da transportiert wird.

Sammy: Und der Rest ist Zufall. Das kann man auch nicht forcieren. Die Leute entscheiden das, und die haben geliebt, wie Rayan tanzt und wie Rayan singt.

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US-Fans hören den Refrain „Du bist gut genug“ als „Doobie Scoot Canoe“. Kennt ihr die ganzen Memes?

Rayan: Wir sehen natürlich viel, aber ich muss sagen: Was mir viel besser gefällt als Memes sind die Cover – die finde ich richtig schön. Aus der ganzen Welt, mit ganz vielen unterschiedlichen Akzenten, die versuchen, Deutsch zu sprechen. Oder auch wenn Leute den Text in ihre eigene Sprache übersetzen. Ich habe den Refrain sogar schon auf Finnisch gesehen.

Sammy: Letztens sind wir zu dem Steve-Lacy-Tiktok aufgewacht. Das fanden wir ziemlich cool, weil wir große Fans sind.

Kommen jetzt auch internationale Künstler auf euch zu?

Rayan: Wir sind da an etwas dran, worüber wir bisher nicht viel sagen können. Aber das wirst du hoffentlich sehen, wenn es passieren sollte. Und sonst – ja, es gibt einen Haufen Künstler, die den Song aufgreifen und dadurch auf uns aufmerksam werden. Ich hoffe, dass da noch viel entsteht. Oder wir machen einfach 50 Remixe. (lacht)

Sammy: Es ist ja auch alles noch superfrisch. Das ist alles erst vor Kurzem passiert.

Wen wollt ihr mit dem Song ansprechen? Eine Generation mit chronischen Selbstzweifeln?

Rayan: Ich glaube, uns alle. Das klingt natürlich immer cheesy, so etwas über seinen eigenen Song zu sagen. Ich glaube, das ist eine Message, die jeder mal hören muss in einer Welt des Optimierungs- oder Schönheitswahn. Wie viele Studenten keine Jobs finden, wie viele Menschen gemobbt werden. Ich glaube, jeder findet in seinem Leben irgendwo einen Anlass.

Also habt ihr auch Selbstzweifel.

Sammy: Natürlich. Ich glaube, jeder Mensch hat Selbstzweifel. So auf die Musik bezogen, werden wir immer selbstbewusster. Das ist aber auch ein langer Prozess. Es gibt immer Hater, und man ist ja auch nicht perfekt geboren.

Und privat?

Rayan: Ja, ja, die ganze Zeit. Ich denke, in allen möglichen Lebensbereichen. Beruflich sind wir in einer unfassbar privilegierten Situation, aber man denkt sich auch, wie lange man es überhaupt noch machen kann. Wir haben beide nichts gelernt oder studiert. Das ist alles, was wir haben.

Sammy: Sonst im Privaten – man würde ja nicht zum Friseur gehen, wenn man nicht will, dass man schöner ist. Selbstzweifel hat ja jeder, hast du etwa keine?

Doch, klar. Wenn du schon so fragst, du bist als Produzent eher im Hintergrund. Wird man da nicht neidisch oder hat Angst, nicht gut genug zu sein?

Sammy: Nee, gar nicht. Am Anfang war das eine Sache, mit der ich lernen musste umzugehen. Aber gerade bin ich, ehrlich gesagt, glücklich, dass mein Gesicht nicht überall im Internet ist.

Rayan: Sammy hat dafür mehr Erfolg bei Frauen als ich. (lacht)

Weitere Folgen der Serie „Ein Anruf bei …“ finden Sie hier.

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