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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Beweisentführung

Wie sich ein Mercedes-Fahrer vor einem Bußgeldbescheid drücken wollte - und wo sein Plan noch Lücken hatte.

Von Ramona Dinauer

Wo kein Kläger, da kein Richter. Oder: Wo kein Blitzer, da kein Bußgeld. So schlussfolgerte wohl ein 52-jähriger Mann dieser Tage in der Nähe von Dresden. Mit seinem Mercedes-SUV rauschte er zu schnell durch eine Tempo-30-Zone im Ortsteil Struppen-Siedlung. Es blitzte, der Mann kehrte um, sich offenbar keiner Schuld bewusst, wie der weitere Hergang vermuten lässt. Mehrfach fuhr er an dem Blitzer vorbei, inspizierte den Tatort und kam zu dem Schluss: Der einzige Weg, das ungewollte Porträt zurückzuerlangen, ist, den Fotografen zu kidnappen. Mitten im Ortskern des 500-Seelen-Dorfes stieg der Mann also aus, baute den Blitzer ab und lud ihn samt Akku in seinen geräumigen Wagen. Was ihm entging: In Sichtweite parkte der Mitarbeiter des Landratsamtes, der das mobile Gerät aufgestellt hatte. Aus dem Dienstfahrzeug beobachtete er die Entführung seines Schützlings. Als er den Täter zur Rede stellen wollte, verriegelte der sein Auto und fuhr davon. Bloß: Der Zeuge informierte seine Kollegen von der Polizei schneller, als es der Blitzer gekonnt hätte.

Noch ohne Fahndungsfoto des 52-Jährigen, dafür mit seiner Adresse, fanden ihn die Polizisten bald bei sich zu Hause. Den mobilen Blitzer im Wert von 5000 Euro konnten sie aus dem SUV befreien und unbeschädigt dem Landratsamt zurückbringen. Dort wird nun ermittelt, mit welcher Geschwindigkeit der Mann geblitzt wurde, sagt ein Beamter am Freitag. Kein Einzelfall übrigens: Anfang des Jahres etwa versenkte ein Mini-Fahrer in Stuttgart die Blitzlichter gar im See. Nützt natürlich nichts, so was. Zusätzlich zum Bußgeldbescheid erhielten die beiden Männer eine Anzeige wegen Diebstahls. Wo kein Blitzer, da ein Räuber.

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