Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg Bombe in Hannover entschärft

Warten in der Notunterkunft: Zehntausende mussten in Hannover ihre Wohnungen verlassen.

(Foto: dpa)
  • In Hannover ist bei Abrissarbeiten eine 250-Kilo Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden.
  • Der Kampfmittelräumdienst hat die Bombe um kurz nach 2 Uhr nachts entschärft.
  • 31 000 Menschen mussten zuvor in Sicherheit gebracht werden. Es ist eine der größten Evakuierungen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Bombenentschärfung in dicht besiedelter Südstadt

Wegen der Entschärfung einer Fliegerbombe mussten 31 000 Menschen in Hannover den Abend außerhalb ihrer Häuser verbringen. Die 250-Kilo Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg war bei Abrissarbeiten auf dem Gelände einer ehemaligen Grundschule in einer dicht besiedelten Gegend im Süden der Stadt entdeckt worden. Sie lag dort mehr als 70 Jahre lang. Wegen des Zustands des Blindgängers hatten der Kampfmittelräumdienst eine zügige Entschärfung empfohlen. Die Anwohner mussten um 20 Uhr ihre Häuser verlassen und bis kurz nach 2 Uhr warten - dann glückte die Entschärfung.

Bei dem Fund handelt es sich der Hannoverschen Allgemeinen zufolge um eine us-amerikanische Fünf-Zentner-Bombe mit zwei Zündern. Der Kopfzünder sei nicht mehr vorhanden gewesen, der Heckzünder verbogen. Der Kampfmittelräumdienst wollte ihn offenbar mit einem Wasserstrahlschneidegerät abtrennen.

Mehrere Schulen und Altenheime in betroffenem Gebiet

Im evakuierten Gebiet lagen mehrere Schulen, an denen am Dienstag eigentlich das mündliche Abitur stattfindet. Der Zeitung zufolge seien an der Wilhelm-Raabe-Schule die Prüfungen abgebrochen worden. Die St.-Ursula-Schule hingegen hatte sich dazu entschieden, die Colloquien zu Ende zu bringen, da die Evakuierung erst für 20 Uhr angesetzt sei. Der Fundort der Bombe sei die größte Baustelle der Stadt, heißt es bei HAZ.de weiter. Nach dem Abriss soll dort ein Bildungs- und Sportzentrum entstehen.

Betroffen war auch das Stadtarchiv von Hannover und ein Altenheim mit 84 Senioren. Das berühmte Sprengel Museum musste eine Stunde früher schließen, es lag auch in der Sicherheitszone.

Zweiter Weltkrieg: 261 000 Bomben in einer Nacht

Die Räumung war eine der umfangreichsten Evakuierungsaktionen in Deutschland seit dem ersten Weltkrieg. Bei der bislang größten seit Kriegsende waren 2011 in Koblenz rund 45 000 Menschen betroffen. In Hannover hatten zuletzt im Januar 2013 in den Stadtteilen Vahrenheide und Sahlkamp 25 000 Menschen ihre Häuser verlassen müssen. Im Sommer vor zwei Jahren musste dann die komplette Innenstadt von Hannover samt Rotlichtviertel geräumt werden. Im vergangenen September wurde im Vorort Seelze einer der gefürchteten Wohnblockknacker unschädlich gemacht. Dabei handelt es sich um eine 1,8 Tonnen schwere britische Bombe, die im Umkreis von einem Kilometer Dächer, Türen und Fenster wegsprengte, um den Weg für gewöhnliche Brand- und Sprengbomben freizumachen.

Alleine bei dem schwersten Bombenangriff auf die Landeshauptstadt in der Nacht zum 9. Oktober 1943 wurden 261 000 Bomben über Hannover abgeworfen, darunter 3000 Sprengbomben. 1245 Menschen kamen ums Leben, 250 000 wurden obdachlos. Das Stadtzentrum und die dicht besiedelte Südstadt wurden größtenteils zerstört.

Auch 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs sind Blindgänger eine im Boden schlummernde Gefahr und müssen regelmäßig in vielen deutschen Großstädten unter großen Sicherheitsvorkehrungen entschärft werden.

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