Birma nach dem Zyklon "Nargis" tötet mindestens 15.000 Menschen

Die verheerenden Folgen des Zyklons "Nargis" werden nur langsam deutlich: Allein in einer Region des Landes sollen 10.000 Menschen umgekommen sein, eine Hilfsorganisation zieht den Vergleich zum verheerenden Tsunami von 2004. Augenzeugen berichten, die Versorgung mit Trinkwasser und Strom sei in weiten Teilen des Landes völlig zusammengebrochen. Jetzt drohen Seuchen.

Nach dem verheerenden Zyklon "Nargis" in Birma ist das ganze Ausmaß der Katastrophe noch immer nicht abzusehen. Das staatliche Fernsehen berichtete am Dienstag unter Berufung auf Außenminister Nyan Win, im Irrawaddy-Delta seien mehr als 10.000 Menschen ums Leben gekommen.

Irrawaddy-Delta in Birma: Der Zyklon hat das Delta verwüstet. Klicken Sie auf das Bild, um ein Satellitenbild der überfluteten Region zu sehen.

(Foto: Foto: AFP)

Informationsminister Kyaw Hsan sagte vor der Presse in der schwer beschädigten Hafenstadt Rangun, 14.911 Tote seien bereits gemeldet worden. 2500 Menschen würden noch vermisst.

Zunächst hatte es irrtümlich geheißen, allein in der Stadt Bogalay im Irrawaddy-Delta habe es 10.000 Tote gegeben. Die Angaben bezogen sich aber auf das gesamte Gebiet. Als "Nargis" am Samstag über Birma hinwegraste, war das tiefgelegene Delta besonders betroffen.

Mit den widersprüchlichen Meldungen wächst die Sorge, dass in dem südostasiatischen Land noch weit mehr Menschen durch den Wirbelsturm ums Leben gekommen sein könnten.

Die Verwüstungen von "Nargis" könnten nach Angaben der Hilfsorganisation World Vision schlimmer sein als nach dem Tsunami im Indischen Ozean zu Weihnachten 2004. Die betroffenen Regionen seien übersät von Leichnamen, erklärten Vertreter nach einem Hubschrauberflug über Birma. Damals starben insgesamt 220.000 Menschen.

Noch am Montag hatte Außenminister Nyan Win vor Diplomaten erklärt, es habe möglicherweise insgesamt rund 10.000 Tote gegeben. Am Sonntag hieß es zunächst, es seien 351 Menschen ums Leben gekommen. In der Millionenstadt Rangun brach nach dem Wirbelsturm die Versorgung mit Strom und Trinkwasser zusammen, Telefon- und Internetleitungen waren defekt.

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) geht mittlerweile von einer Million Obdachloser in Birma aus. Einige Dörfer seien vollständig ausgelöscht worden, sagte WFP-Sprecher Paul Risley am Dienstag in Bangkok.

Große Reisanbauflächen seien zerstört. "Wir hoffen, weitere Hilfe innerhalb von 48 Stunden einfliegen zu können", erklärte Risley weiter. "Die Herausforderung besteht darin, trotz der blockierten Straßen in die betroffenen Gegenden zu gelangen."

Im Delta des Irrawaddy-Flusses wurden zahllose Dörfer überschwemmt. Uralte Bäume wurden von der Wucht der Orkanböen aus dem Boden gerissen und versperrten Straßen. Hunderttausende Menschen wurden obdachlos.

Einwohner von Rangun, denen es gelang, Kontakt zu Verwandten im Irrawaddy-Delta herzustellen, berichteten von verheerenden Zuständen. Manche Dörfer seien dem Erdboden gleichgemacht. In anderen Orten hätten kaum zehn Prozent der Bevölkerung überlebt. Die Reisernte, die in den nächsten Wochen eingefahren werden sollte, dürfte zerstört sein - eine Hiobsbotschaft für die Bevölkerung in dem bitterarmen Land.

Die staatlichen Medien warnten vor der Ausbreitung von Krankheiten. Sie forderten die Bürger dazu auf, nur abgekochtes Wasser zu trinken und Insekten von Nahrungsmitteln fernzuhalten. "Essen Sie frische Früchte, benutzen Sie saubere Toiletten und schmeißen Sie Müll systematisch weg", hieß es im Radio.

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Zyklon in Birma: Menschen leiden - die Hilfe läuft an