Das Urteil gegen Cosby war das erste gegen einen Prominenten in der "Me Too"-Bewegung, die 2017 mit den Enthüllungen über den Filmproduzenten Harvey Weinstein begann. Nun ist er, nach knapp drei Jahren im Gefängnis, wieder ein freier Mann. Das oberste Gericht im US-Bundesstaat Pennsylvania hob das Urteil wegen sexueller Nötigung auf - nicht, weil die Richter den Entertainer für unschuldig halten, sondern wegen eines formalen Fehlers. Wegen des Deals eines Staatsanwalts hätte Cosby in dieser Sache gar nicht erst strafrechtlich angeklagt werden dürfen.
Das Gericht erklärte auch, dass es nicht zulässig gewesen sei, derart viele Zeuginnen gegen Cosby zu laden. 60 Frauen werfen dem Entertainer Missbrauch oder Nötigung vor, vor Gericht kam nur ein Fall, weil viele Vorwürfe verjährt sind. Fünf weitere Frauen wurden damals als Zeuginnen geladen. Nun gilt der 83-Jährige wieder als unschuldig, und kann nicht mehr strafrechtlich belangt werden. Die Reaktionen auf den überraschenden Freispruch fielen heftig aus.
Die Schauspielerin Amber Tamblyn schrieb auf Twitter: "Ich bin wütend, diese Nachricht zu hören. Ich kenne persönlich Frauen, die dieser Mann mit Drogen bewusstlos gemacht und vergewaltigt hat. Schande über das Gericht für diese Entscheidung." Für die amerikanische Journalistin Elizabeth Jean Carroll ist das aufgehobene Urteil als Beispiel dafür, "warum Frauen nicht vorwärtskommen." Die "Me Too"-Aktivistin und Schauspielerin Rosanna Arquette nannte die Entscheidung "widerlich".
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In einem Interview mit dem TV-Sender ABC sagte Janice Baker-Kinney, eine der Frauen, die im Prozess gegen Cosby ausgesagt hatten: "Mein Magen zieht sich zusammen, wenn ich sehe, dass ein juristischer Winkelzug alles rückgängig macht, obwohl so viele Frauen ausgesagt haben." Für die Journalistin Brigitte Gabriel hat die Aufhebung des Urteils nichts mit Cosbys Unschuld zu tun. "Es muss toll sein, wenn man reich ist und ein ganzes Team von Anwälten hat, die Hintertürchen finden", twitterte sie.
Künstlerin Barbara Malmet schrieb, dass nun Harvey Weinstein denken werde: "Ich als nächstes." Drehbuchautorin und Produzentin Randi Mayem Singer zeigte sich empört: "Wir leben in einer Welt, in der Leute die Gebärmutter von Britney Spears kontrollieren, aber Bill Cosby ist frei. Verstanden."
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Doch neben Schock und Ratlosigkeit sorgte die Entscheidung des Gerichts auch für erfreute Reaktionen. Die Schauspielerin Phylicia Rashad, die in Cosbys TV-Sendung "The Cosby Show" an dessen Seite spielte, schrieb auf Twitter: "Endlich. Ein Justizirrtum wurde nun berichtigt." Der amerikanische Rechtsanwalt Geraldo Rivera betonte, Cosby sei von der "Menge überrollt worden".

