Haftstrafe wegen sexueller Nötigung Bill Cosby hält sich für "politischen Gefangenen"

Bill Cosby wird in Handschellen aus der Montgomery County Correctional Facility geführt, nachdem er zu mindestens drei Jahren Haft verurteilt wurde.

(Foto: dpa)
  • Der frühere Schauspiel-Star Bill Cosby wurde im vergangenen Jahr wegen sexueller Nötigung schuldig gesprochen.
  • Der einstige "Vater der Nation", heute 81 Jahre alt, muss die nächsten drei bis zehn Jahre hinter Gittern verbringen.
  • Er wurde direkt nach dem Schuldspruch verhaftet. Nun teilt sein Anwalt mit, dass es Cosby hinter Gittern gut gehe und er keine Reue empfinde.

Bill Cosby war Hauptdarsteller der international erfolgreichen Familienserie "The Cosby Show". Der heute 81-Jährige war reich, berühmt und mächtig. Er war Vorbild und moralische Instanz, galt als "Vater der Nation". Nun steht Cosby in seiner Zelle in einem Gefängnis bei Philadelphia jeden Morgen um 3:30 Uhr auf, macht Liegestützen und Sit-ups, ehe er beim Frühstück sein Essen mit Wasser abspült, um seine Natriumzufuhr zu reduzieren. Cosby hat weder seine Frau noch seine Kinder gesehen, in den vergangenen vier Monaten. Er will nicht, dass sie ihn in seinem aktuellen Zustand sehen.

Seit vier Monaten sitzt Cosby in einer Justizvollzugsanstalt im US-Bundesstaat Pennsylvania. Sein Kontakt zur Außenwelt beschränkt sich auf das Telefon, durch das er mit seiner Ehefrau sprechen darf. Drei Mal am Tag für je drei Minuten. Und auf seinen Anwalt Andrew Wyatt, der nun dem US-Sender NBC Einblicke von Cosbys Haft-Dasein mitgeteilt hat.

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Verurteilt wurde der Entertainer wegen des Übergriffs auf eine Universitätsangestellte im Jahr 2004. Anschuldigungen gegen ihn hat es immer wieder gegeben. Eine Chronologie.

"Wenn ich ihn besuche, ist das nichts Trauriges", sagte Wyatt dem Sender. "Er ist nicht traurig. Er ist nicht reumütig, weil er nichts falsch gemacht hat."

Insgesamt mehr als 60 Frauen hatten Cosby vorgeworfen, dass er sie betäubt und danach sexuell genötigt, missbraucht oder gar vergewaltigt habe. Verurteilt werden konnte Cosby aber nur wegen eines einzigen Falles aus dem Jahr 2004 - die Geschworenen sahen es als zweifelsfrei erwiesen an, dass der frühere Schauspieler die damalige Uni-Mitarbeiterin Andrea Constand betäubt und danach sexuell missbraucht hat. Cosby wurde zu einer Haftstrafe von mindestens drei und bis zu zehn Jahren verurteilt.

Dennoch: Cosby bestehe nach wie vor darauf, dass seine Begegnung mit Constand einvernehmlich war, sagt sein Anwalt. Er halte sich für einen "politischen Gefangenen", ähnlich wie Martin Luther King Jr. und Nelson Mandela, sagt Andrew Wyatt.

Hinter Gittern arbeite Cosby an der Entwicklung neuer Show-Ideen. "Er ist mental stark", sagt Wyatt. Trotz der Umstände sehe Cosby seinen Gefängnisaufenthalt als "eine großartige Erfahrung" an, weil er die Geschichten der anderen Insassen interessant finde.

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