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Bilder-Chronik:Das Geiseldrama von Gladbeck

Das Geiseldrama von Gladbeck im Jahr 1988 war einer der spektakulärsten Straftaten der vergangenen Jahrzehnte. Auch 20 Jahr nach den Vorfällen sorgt die Rolle von Polizei und Medien in diesem Fall für Diskussionen. Eine Chronik in Bildern

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Das Geiseldrama von Gladbeck im Jahr 1988 war sowohl eine der spektakulärsten wie auch erschreckendsten Straftaten der vergangenen Jahrzehnte. Auch 20 Jahre nach den Vorfällen sorgt die Rolle von Polizei und Medien in diesem Fall für Diskussionen. Eine Chronik in Bildern.

Vor nunmehr zwei Jahrzehnten hielten die Verbrecher Dieter Degowski, Hans-Jürgen Rösner und ihre Komplizin Marion Löblich nach einem missglückten Banküberfall vom 16. bis zum 18. August 1988 ganz Deutschland in Atem.

Foto: AP; Geiselnehmer Dieter Degowski posiert am 18. August 1988 mit einer Waffe in einem Linienbus in Bremen.

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Der "Sündenfall von Gladbeck" brachte auch einen neuen Pressekodex bei Verbrechen. Mehrere Reporter ließen jede Hemmung fallen: Sie interviewten die bewaffneten und großspurig auftrumpfenden Täter Degowski und Hans-Jürgen Rösner (Bild) direkt neben den Geiseln, die um ihr Leben zitterten. Die Polizei sah dem Treiben tatlos zu.

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16. August 1988: Gegen 8 Uhr dringen Hans-Jürgen Rösner, damals 31, und der damals 32-jährige Dieter Degowski, vermummt und mit Maschinenpistolen bewaffnet, in eine Bankfiliale in Gladbeck-Rentfort ein und nehmen einen Kassierer und eine Kundenberaterin als Geiseln. Um ihren Forderungen nach einem Fluchtwagen und Lösegeld Nachdruck zu verleihen, schießen die Täter um sich.

Am Abend fahren sie zunächst in einem Auto vor den Augen der Beamten und im Blitzlichtgewitter der Presse mit den beiden Geiseln und mindestens 420.000 Mark Lösegeld ab. Noch in Gladbeck steigt ihre Komplizin Marion Löblich, damals 34, zu. Sie fliehen Richtung Bremen.

Foto: AP, Polizeibeamte beziehen Stellung in einer Wohnung über der Bankfiliale in Gladbeck-Rentfort, wo die Bankräuber sich zunächst verschanzen.

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17. August: Bei ihrer von der Polizei beobachteten Irrfahrt kapern sie kurz nach 19 Uhr an einer Haltestelle in Bremen-Huckelriede einen Nahverkehrsbus mit etwa 30 Fahrgästen, darunter auch Kinder. Erneut geben sie Journalisten ein Interview und fordern weiteres Bargeld. Fünf Geiseln werden freigelassen.

Gegen 23 Uhr lassen die Gangster die beiden Bankangestellten an einer Raststätte aussteigen. Als die Polizei die Komplizin Löblich überwältigt und auf Forderung der Gangster nicht gleich wieder freilässt, erschießt Degowski den 15-jährigen Italiener Emanuele de Georgi. Die Polizei gibt weiteren Drohungen nach und lässt Löblich frei. Der Bus fährt Richtung Holland.

Foto: dpa, Die Geiselnehmer Degowski (l.) und Rösner stehen in dem gekaperten Linienbus. Vorne sitzt die später getötete Silke Bischoff (hinter der Haltestange), rechts Ines Voitle.

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18. August: Gegen 2.30 Uhr rollt der Bus über die niederländische Grenze. Wieder fallen Schüsse, der Busfahrer und Löblich werden verletzt. Im Austausch gegen ein neues Fluchtauto werden fast alle Geiseln freigelassen.

Mit den beiden jungen Frauen Silke Bischoff und Ines Voitle als Geiseln setzt das Trio seine Fahrt fort und überquert wieder die niederländisch-deutsche Grenze. Gegen 11 Uhr erreichen die Verbrecher Köln.

Im Gespräch mit Journalisten drohen sie, "zu allem entschlossen" zu sein.

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Der Wahnsinn nimmt seinen Lauf: Bei einer bizarren "Pressekonferenz" der Gangster an ihrem Fluchtfahrzeug in Köln fordert ein Fotograf Degowski sogar auf, der später getöteten Silke Bischoff die Waffe noch einmal an den Kopf zu halten - er hatte zuvor das Bild verpasst.

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Einen Monat nach dem Drama von Gladbeck erweiterte der Deutsche Presserat den Pressekodex und verbot Interviews mit Tätern während des Tatgeschehens, weil sie Journalisten zum Werkzeug von Verbrechern machen können. Wer sie dennoch führt, muss mit mindestens mit einer offiziellen Rüge seines Mediums rechnen. Einen vergleichbaren Fall gab es seither, zumindest in Deutschland, nicht.

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Auch weil die Menge der Reporter, Kameraleute und Fotografen zu eng um die Fluchtautos stand, wurde die Polizei am gewaltsamen Zugriff gehindert.

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Bei dem irrsinnigen Auflauf hat nach Aussagen des ehemaligen Gladbeck-Richters Rudolf Esders der Leiter des Kölner SEK als Journalist getarnt in den Fluchtwagen geschaut und die Lage für eine Überraschungsattacke auf die Täter sondiert. Das Risiko sei aber wegen der vielen Menschen in der Nähe der Verbrecher und Entführten zu groß gewesen.

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"Tot sein ist schöner als wie ohne Geld", diktiert der 31-jährige Rösner den Reportern in die Blöcke. Menschen aus der Menge weisen die Gangster darauf hin, dass in einer Nebenstraße ein Notarztwagen vorgefahren ist - damit ist ein möglicher Polizeizugriff verraten. Die Täter werden nervös - und verlassen die Szenerie.

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"Wir waren kollektiv durchgeknallt": Udo Röbel, später Bild-Chefredakteur, saß mit im Fluchtauto. Er lotst die Journalisten aus dem Kölner Stadtgebiet auf die A 3, dann steigt er aus.

Er habe in diesem Moment die Kontrolle verloren und wie in Trance gehandelt, erklärte er später und bereute seine Handlung, für eine gute Story jegliche Ethik fallengelassen zu haben.

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Gegen 13.50 Uhr nimmt die Irrfahrt der Schwerverbrecher ein blutiges Ende: Die Polizei greift mit Waffengewalt ein. Sie stoppt das Fluchtauto auf der Autobahn A 3 bei Bad Honnef. Die Geisel Silke Bischoff wird dabei von Rösner erschossen, ihre Freundin Ines Voitle überlebt schwer verletzt.

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54 Stunden der Angst: Auch 20 Jahre danach erscheint die Tat weiterhin schwer fasslich. Eins war sie sicher: Ein völliges Versagen der Sensationspresse.

Grafik: AP /Texte: grc/lala

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