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Bielefeld:Machtkampf um Mufflons

Mufflons - den Wildschafen droht das Aus

Bei Langeweile stoßen Mufflons mit ihren Hörnern gegen Bäume und schälen Rindenstücke ab.

(Foto: Frank Rumpenhorst/dpa)

Im Teutoburger Wald leben noch zehn Wildschafe. Zum Entsetzen zahlreicher Schaffreunde sollen sie nun abgeschossen werden.

Als Mark Meyer zu Bentrup sein erstes Mufflon sah, war er sechs Jahre alt. Das war 1979, die Blütezeit der Bielefelder Wildschafe. "So um die 30, 40" der Tiere mit den beeindruckenden Schneckenhörnern habe es in seiner Kindheit gegeben, erinnert sich Meyer zu Bentrup. Als Nachkommen einer Gruppe von Mufflons, die vor mehr als 50 Jahren ausgewildert wurden, leben sie bis heute in einem Teilstück des Teutoburger Waldes. Meyer zu Bentrup ist Jäger und Waldbauer und Vorsitzender des örtlichen "Muffelwildrings". Er hat sich der Erhaltung der Tiere verschrieben, die ursprünglich aus Sardinien und Korsika stammen. Doch die ist nun, nach einem halben Jahrhundert Bielefelder Muffelwildaktivität, in Gefahr.

Denn in der vorvergangenen Woche entschied das Oberverwaltungsgericht Münster, dass der bisherige Abschussplan der Stadt die Interessen der Waldbesitzer und die Schäden, die die Schafe anrichten, nicht genügend berücksichtigt habe. Der Plan sah vor, den Winterbestand der Herde auf höchstens zwölf Tiere zu beschränken, Nun, so befürchten viele Mufflon-Fans, könnten auch die zehn verbliebenen Schafe abgeschossen werden.

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Die kleine Herde lebt auf einer Fläche von rund 5500 Hektar, die meiste Zeit weidet sie im Waldstück der Familienstiftung Klasing - weil es dort schön windgeschützt sei, sagt Mark Meyer zu Bentrup. Doch der Familie Klasing, die ursprünglich selbst dem Muffelwildring angehörte, wurde irgendwann der Schaden zu viel, den die Schafe in ihrer Schonung anrichteten. Bei Langeweile stoßen sie mit ihren Hörnern gegen Bäume und schälen so Rindenstücke ab. Zudem fressen sie gerne junge Schösslinge. Ein Gutachten bezifferte diese Schäden auf 5000 Euro im Jahr.

Demnächst vor dem Bundesverwaltungsgericht

Die Stiftung klagte 2011 erstmals am Verwaltungsgericht in Minden auf Umsiedlung oder Abschuss und bekam recht. Nun hat in zweiter Instanz auch Münster zugunsten der Kläger entschieden - zum Entsetzen zahlreicher Schaffreunde. Die Online-Petition "Rettet die Bielefelder Mufflons vor dem sinnlosen Abschuss" hatte an diesem Montag bereits annähernd 75 000 Unterstützer. Dabei ist auch für die Klasings ein Abschuss - der, wenn es schnell gehen soll, bis zum Ende der Jagdsaison am 15. Januar vollzogen sein müsste - nur das äußerste Mittel. Sie würden die Tiere lieber "entnehmen", also umsiedeln. Einen Abnehmer gäbe es wohl.

Doch Meyer zu Bentrup sieht selbst dafür keinen Grund: "In den vergangenen zwei Jahren gab es, soweit wir das beobachten konnten, keine Schäden", sagt er. Mittlerweile hat ein Bielefelder Straßenbauunternehmer angeboten, für die Summe des Flurschadens bis zu einer endgültigen Lösung aufzukommen. Das allerdings könnte noch dauern. Oberbürgermeister Pit Clausen hat angekündigt, alle verbleibenden Möglichkeiten zum Widerspruch zu ergreifen. Zwar ist eine Revision nicht mehr möglich, eine Nichtzulassungsbeschwerde aber schon. Demnächst wird der Bielefelder Mufflonstreit deswegen wohl das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig beschäftigen.

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