SZ-Kolumne "Bester Dinge":Eine Brücke für Gewohnheitstiere

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Utah Wildtierbrücke Screenshot
(Foto: Utah Division of Wildlife/Facebook)

Wie eine ganze Wildtierkolonne unverhofft über eine Autobahnbrücke in Utah spaziert - und damit nicht nur sich selbst einen Gefallen tut.

Von Veronika Wulf

Mit Dingen, die Menschen für Tiere bauen, ist es so eine Sache. Da bastelt man einen extra attraktiven Kratzbaum - und die Katze bevorzugt trotzdem das Sofa zum Krallenschärfen. Der Kölner Zoo zum Beispiel hat im Sommer seine Tigeranlage für zwei Millionen Euro saniert, mit beheiztem Hügel, Höhle und Wasserfall, doch der Tiger würdigte die neuen Gerätschaften erst mal keines Blickes. Hinter dem Hügel könnte ja eine Hyänenherde lauern, der Kratzbaum ein Feind sein.

Evolutionsbiologisch ist die Vorsicht sinnvoll, für den menschlichen Konstrukteur aber mitunter enttäuschend, vor allem dann, wenn das Vieh nicht einfach nur Zeit braucht, sondern das neue Spielzeug gänzlich verschmäht.

Im US-Bundesstaat Utah haben die Tiere den Menschen nun einen Gefallen getan - und sich selbst. Wegen zahlreicher Wildtierunfälle hatte das Verkehrsministerium Ende 2018 eine Tierbrücke über die sechsspurige Interstate 80 bauen lassen. Den fünf Millionen Dollar teuren Überweg hatten sie mit Baumstämmen, Felsbrocken und Steinen eingerichtet. Dennoch hatte die Naturschutzbehörde damit gerechnet, dass es Jahre dauern könnte, bis die Tiere die Brücke nutzen. Doch nun veröffentlichte sie ein Video, in dem Hirsche, Rehkitze, Elche, Wölfe und sogar Schwarzbären über die Brücke spazieren. Die ersten Tiere hatten nur Monate gebraucht, um sich zu trauen, inzwischen ging eine ganze Tierkolonne über die Brücke, als führte sie in Noahs Arche.

Nur eine Bitte hat die Behörde noch an den Menschen: "Bitte halten Sie sich von dieser Überquerung fern." Denn man hatte auch Nutzer mit Wanderschuhen, Skiern und Mountainbikes gesichtet.

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