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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Monsterpreis für Monsterpflanze

(Foto: trademe.co.nz)

Eine Rhaphidophora tetrasperma bekommt man für fünf bis zehn Euro im Gartenmarkt. In Neuseeland aber wurde ein Exemplar für 16 000 Euro versteigert. Warum bloß?

Von Titus Arnu

Zimmerpflanzen galten früher als langweilige Mitbewohner von Spießern. Zerfledderte Yucca-Palmen, mumifizierte Kakteen - wie traurig. Doch neuerdings sind Topfpflanzen wieder topmodern: Plantfluencer präsentieren auf Youtube Pflegetipps, Hipster lassen ihre Wohnzimmer zuwuchern, bis es in der WG in Kreuzkölln aussieht wie in Costa Rica.

Besonders großblättrige Sorten wie die Geigenfeige (Ficus lyrata), Strelizien oder das Fensterblatt (Monstera deliciosa) sind gefragt. Ein Monstertrend! Pflanzenfans, die nicht über eine monströs große Wohnung verfügen, greifen gerne auf Rhaphidophora tetrasperma zurück, die aufgrund ihrer Ähnlichkeit mit der populären Monstera auch "Mini-Monstera" genannt wird. Die Kletterpflanze mit den gespaltenen Blättern stammt aus Südamerika, wächst extrem schnell, muss nur einmal pro Woche gegossen werden und macht optisch viel her. Man bekommt Jungpflanzen für fünf bis zehn Euro im Gartenmarkt.

Gerade ist in Neuseeland ein Exemplar versteigert worden, für den Rekordpreis von umgerechnet 16 000 Euro. Die Pflanze besitze "acht Blätter, das neunte ist gerade dabei sich auszurollen", hieß es in der Anzeige des Online-Auktionshauses "Trade me". Ein Käufer mit dem Decknamen "meridianlamb" entschied die Auktion für sich. Warum? Das Ding sieht für Laien schließlich aus wie ein vergilbter Gummibaum, der lange nicht gegossen wurde. Antwort: Das Gewächs trägt eine "außergewöhnliche Zeichnung sowohl auf allen Blättern als auch auf dem Stamm", es ist nicht sattgrün, sondern weiß gemustert. Wie schön! Eine Welt, in der Menschen einen Monsterbetrag für eine Fehlfarben-Minimonsterpflanze ausgeben, mag ein bisschen verrückt sein - aber im Grunde nicht so schlecht.

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© SZ/moge
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