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Berlin:Zwei Ärzte, zehn Schwestern

Immenser Betreuungs-Aufwand für Vierlinge in der Charité-Klinik.

Die Vierlinge einer 65-jährigen Berlinerin, die Mitte Mai mehr als drei Monate zu früh zur Welt kamen, beschäftigen weiterhin das Krankenhaus Charité. Die vier Babys, die aus gespendeten Ei- und Samenzellen entstanden waren, die sich die Frau in der Ukraine hatte einpflanzen lassen, sind nach Angaben einer Charité-Sprecherin zwar "stabil" und entwickeln sich altersgemäß. Sie werden aber noch mehrere Monate auf der Frühchen-Station verbringen müssen. Dort sind täglich zwei Ärzte und zehn Schwestern zusätzlich im Einsatz, um sich um die drei Jungen und das Mädchen zu kümmern.

Das Verhalten der Mutter sorgt nicht nur für Kritik, weil es in Deutschland selbst verboten wäre, Eizellspenden zu erhalten und sich eine so große Zahl von Embryonen einsetzen zu lassen. Sondern die pensionierte Lehrerin, die bereits Mutter von 13 Kindern ist, hat während der Behandlung wohl auch nicht auf den Rat der Ärzte gehört. So sagte Wolfgang Henrich, Leiter der Klinik für Geburtsmedizin, man habe die Frau am Tag vor der Geburt stationär aufnehmen wollen, weil ihr Blutdruck zu hoch war. Man riet der Frau zum Charité-Standort in Mitte, weil es für Frühchen dort ein spezielles Vierbettzimmer gibt, das für Mehrlingsgeburten ausgerichtet ist. Doch die 65-Jährige fuhr wieder nach Hause. Als dann in der Nacht vorzeitige Wehen einsetzten, musste sie als Notfall eingeliefert werden und landete an einem anderen Standort.

Dort liegen die Kinder der Alleinerziehenden nun genau auf jener Intensivstation, auf der vergangene Woche bei vier anderen Babys Serratien festgestellt wurden. Das sind Darmbakterien, die für Frühgeborene sehr gefährlich sein können. Der Zustand der vier betroffenen Kinder sei inzwischen stabil, hieß es am Dienstag. Doch bis sich die Lage entspannt, können an dem Standort keine weiteren Frühchen aufgenommen werden

© SZ vom 03.06.2015
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