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Berlin:Trauer um Knuts Ziehvater

Als Pfleger von Knut wurde er weltberühmt: Thomas Dörflein zog das verstoßene Eisbärenbaby im Berliner Zoo groß, nun wurde er tot aufgefunden - ein Schock für die Berliner.

Knuts Ziehvater ist tot. Der 44-jährige Thomas Dörflein wurde am Montagmittag leblos in einer Wohnung im Berliner Stadtteil Wilmersdorf gefunden, wie ein Polizeisprecher am Dienstag sagte. Er bestätigte damit einen Bericht der Berliner Zeitung .

Tierpfleger Dörflein mit seinem Schützling Knut.

(Foto: Foto: AFP)

Hinweise auf Fremdverschulden oder Suizid gebe es nicht, sagte der Sprecher. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa war Dörflein seit längerem schwer krank.

Unklar war zunächst, ob es sich bei der Wilmersdorfer Wohnung um die Wohnung von Dörfleins Lebensgefährtin handelt. Dörflein wohnte zusammen mit seiner Lebensgefährtin, die einen Sohn im Grundschulalter hat.

Der Tierpfleger und Knut: Das war 2007 das Traumpaar des Jahres. Nur 810 Gramm wog Knut, als er am 5. Dezember 2006 im Berliner Zoo geboren wurde. Eine Handvoll Leben, das von der Mutter nicht angenommen wurde. Knuts Zwillingsbruder starb nach vier Tagen, aber Knut schaffte es - dank Dörflein, der ihn mit der Flasche aufzog. "Da war die Hilflosigkeit der beiden. Das ist doch ganz klar, ein menschlicher Instinkt, dass man da unbedingt helfen will und muss", so begründete Dörflein in einem Interview seine spontane Rettungstat.

Ein zweiter magischer Moment war für den Pfleger, als Knut zum ersten Mal die Augen öffnete und ihn ansah: "Wenn so ein Tier einen anguckt, das ist schon etwas anderes als vorher", sagte der nach außen oft verschlossen wirkende Dörflein.

Silvester und Weihnachten verbrachte er mit seinem Schützling in den Stallungen. Knut überstand 40-Grad-Fieberschübe und schlief sich gesund, während Dörflein bei ihm Gitarre spielte und Elvis-Presley-Lieder sang.

Dörflein wurde selbst zum Star

Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde Dörflein dann durch die "Knut-Show" mit zwei täglichen großen Auftritten im Zoo, zu denen die Massen aus Deutschland, Europa und der ganzen Welt strömten. Die beiden führten Lebensfreude pur vor. Knut und die verfilzte grüne Decke, auf der Dörflein den weißen Knuddel über den Bärenfelsen zog, Knut und die Klo-Bürste, Knut und der WM-Fußball - die Bilder des Duos gingen um die Welt.

Dörflein wurde wie Knut zum Star - was ihm allerdings gar nicht lag. "Das befremdet mich sehr", sagte er kurz angebunden über die waschkörbeweise eingehenden Heiratsanträge und hielt sich auch sonst lieber im Hintergrund.

Allerdings nahm er eine Ehrung des Landes Berlin entgegen und ließ sich mit Partnerin bei einem Bürgerempfang von Bundespräsident Horst Köhler im Schloss Bellevue sehen.

Aber für Dörflein gab es nicht nur Ehre sondern auch Rückschläge und schlechte Nachrichten. Über das aus seiner Sicht zu frühe Ende der "Knut-Show" durch eine Anordnung der Zoo-Direktion, die um die Sicherheit von Dörflein fürchtete, war der Tierpfleger lange Zeit verärgert und traurig. Gegen alle Anweisungen spielte er hinter den Kulissen lange Zeit weiter mit seinem Ziehkind.

Im Frühsommer dieses Jahres war Dörflein dann eine Weile nicht mehr im Zoo präsent. Urlaub, hieß es offiziell. Aber es gab erste Hinweise auf eine Erkrankung. Am Montag nun wurde sein Tod bekannt.

Trauer und Betroffenheit in Berlin

Der Zoologische Garten reagierte betroffen. Die Fördergemeinschaft teilte mit: "Mit Thomas Dörflein verliert der Zoo Berlin einen hoch engagierten Tierpfleger, der mit großer Leidenschaft seinem Beruf - seiner Berufung - nachging." Er habe ganz entscheidend dazu beigetragen, dass "Berlin mit dem Eisbär-Baby eine sensationelle Attraktion hat".

Zoo-Biologe Heiner Klös sagte der dpa: "Ich bin schockiert vom Ableben eines meiner besten Pfleger, der alles für seine Tiere gegeben hat."

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat sich am Montagabend bestürzt über den plötzlichen Tod von Knut-Tierpfleger Thomas Dörflein geäußert. "Der Berliner Zoo hat einen Sympathieträger verloren", sagte Wowereit laut einer Mitteilung.

Auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD), der eine Patenschaft für Knut übernommen hatte, reagierte betroffen. Er habe Dörflein bewundert, "wie intensiv und ausdauernd er sich um Knut und die anderen ihm anvertrauten Tiere gekümmert hat", sagte Gabriel. Der Berliner Zoo verliere einen sehr sympathischen und engagierten Mitarbeiter.

Dörflein wurde 1963 in Berlin-Wedding geboren, aufgewachsen ist er in Spandau. Nach dreijähriger Lehre als Pfleger im Zoologischen Garten und dem Kennenlernen aller Reviere bekam er zunächst einen Zeitvertrag, später eine Festanstellung; zuständig für Menschenaffen, Raubtiere und Felsentiere.

Seit 1987 war Dörflein verantwortlich fürs Bärenrevier und für Wölfe, später auch für Windhunde und Nasenbären. Dörflein hat dem Bericht zufolge zwei erwachsene Kinder und wohnte zusammen mit seiner Lebensgefährtin, die einen Sohn im Grundschulalter hat. Knut hatte sich für den Berliner Zoo als wahrer Schatz erwiesen. Erstmals in der 164-jährigen Geschichte zählte der Zoologische Garten 2007 mehr als drei Millionen Besucher, das entspricht einer Steigerung um gut 27 Prozent gegenüber 2006. Der Bilanzgewinn betrug rund 6,8 Millionen Euro.

Berliner Zoo

Knut und sein Ziehvater