Berlin Prost, Polizei

Auch nur Menschen: In Sachen Party macht den Berlinern keiner etwas vor.

(Foto: dpa)
  • Hunderte Berliner Polizisten sollten in Hamburg die Absicherung des G-20-Gipfels unterstützen.
  • Doch drei Hundertschaften wurden vorzeitig aus dem Einsatz entlassen, weil sie sich danebenbenahmen.
  • Es ist nicht das erste Mal, dass es in diesem Jahr in der Berliner Polizei zu "unangemessenem Verhalten" kommt.
Von Hannah Beitzer, Berlin

Betrunkene pinkeln an einen Zaun. Besoffenes Pärchen hat Sex unter freiem Himmel. In Berlin wären das eher keine Schlagzeilen - es sei denn, es handelt sich dabei um Berliner Polizisten, die sich in anderen Bundesländern danebenbenommen haben. Und deswegen nach Hause geschickt worden sind, wie Teenager von einer Klassenfahrt.

So geschehen ist das mit drei Hundertschaften der Berliner Polizei, die es während eines Einsatzes vor dem G-20-Gipfel in Hamburg mit dem Feiern wohl ein kleines bisschen übertrieben haben. Sie können zwar sonst nichts - aber in Sachen Party macht den Berlinern halt niemand etwas vor: So ließen sich die freundlicheren Reaktionen auf die außer Kontrolle geratene Feier in einem Containerdorf in Bad Segeberg zusammenfassen.

Am Dienstag wurden die Vorfälle bekannt, auch am Mittwoch ist die Aufregung in Berlin groß. Denn über den Ruf als dysfunktionale Partyhauptstadt ist man in der Berliner Politik schon lange verärgert. "Polizeibeamte haben eine Vorbildfunktion - das gilt in Berlin genauso wie in anderen Städten", schimpft der zuständige Innensenator Andreas Geisel (SPD). So ein Verhalten sei "nicht hinnehmbar", heißt es von den Linken, die Polizei solle doch bitte "professioneller mit Langeweile umgehen", sagte Benedikt Lux, innenpolitischer Sprecher der Grünen.

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Es ist nicht das erste Mal, dass es in diesem Jahr in der Berliner Polizei zu "unangemessenem Verhalten" kommt, wie es die Hamburger Einsatzleitung nennt. So zeigten im Frühjahr Polizeischüler zwei Mitschüler an, die mit Drogen gedealt haben sollen. Ein anderer Polizei-Azubi soll Diebesgut verkauft haben und wurde wegen des Verdachts auf Hehlerei suspendiert.

Ein Polizeischüler trat in einem Film mit dem Namen "Pimmel Bingo" auf

Ebenfalls vom Dienst suspendiert wurde in diesem Jahr ein Polizist, der Fotos von Kolleginnen auf Pornoseiten hochgeladen haben soll, die diese zum Beispiel beim Sport zeigen. Ein Auftritt eines Polizeischülers in einem Film mit dem Namen "Pimmel Bingo" hatte hingegen keine gravierenden Folgen. Seine Vorgesetzten waren zwar nicht begeistert, er wurde letztendlich aber trotzdem verbeamtet.

Auch die drei Hundertschaften, die sich in Bad Segeberg danebenbenahmen, sollen einen gewissen Ruf genießen, wie es heißt. Manche Medien berichteten am Mittwoch, der Hamburger Einsatzleiter habe daher einen privaten Wachdienst auf die Polizisten angesetzt, die sich prompt über die unangemessene Überwachung beschwert haben sollen - doch das weist die Polizei in Hamburg von sich: "Diese Berichte sind nicht richtig", sagt eine Sprecherin.

Man habe vor dem Einsatz keine Informationen über das Partyverhalten der Kollegen gehabt. "Es gibt hier ja auch noch andere Berliner Kollegen, die sich tadellos benehmen." Der Ordnungsdienst, so sagt es die zuständige Polizeistelle in Bad Segeberg, sei nicht für den G-20-Gipfel bestellt worden, sondern arbeite schon auf dem Gelände der ehemaligen Flüchtlingsunterkunft, seit diese eingerichtet worden sei.