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Berlin:21-Jähriger nach tödlicher Hetzjagd zu Bewährungsstrafe verurteilt

Das Opfer, der 23-jährige Giuseppe M., lief in Panik auf die Straße und wurde von einem Auto erfasst: Das Berliner Landgericht hat einen 21-Jährigen wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Das Strafmaß fiel vergleichsweise mild aus.

Für die Staatsanwaltschaft war es eine "Tat ohne jeden nachvollziehbaren Anlass": An einem Septembertag im vergangenen Jahr zettelt ein 21-Jähriger im Berliner U-Bahnhof Kaiserdamm eine Schlägerei an. Eines seiner Opfer, ein zwei Jahre älterer Mann, flüchtet vor der Gewalt schließlich auf die Straße, wo er von einem Auto erfasst wird und stirbt.

Nun wurde der Täter verurteilt - zu einer vergleichsweise milden Strafe. Das Landgericht Berlin verhängte eine Bewährung von zwei Jahren gegen den 21-Jährigen. Er wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor viereinhalb Jahre Gefängnis für den Beschuldigten gefordert. Ein mitangeklagter Schläger erhielt eine Bewährungsstrafe von vier Monaten.

Der Haupttäter, der bislang in Untersuchungshaft saß, kommt nach dem Urteil auf freien Fuß. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Gefängnisstrafe gefordert, weil er Giuseppe M. gefolgt sein und ihn vor das Auto gejagt haben soll. Zuvor soll der 21-Jährige nachts mit seinem Bekannten im U-Bahnhof das spätere Opfer und dessen Freund aggressiv nach Zigaretten gefragt haben. Dass sich Giuseppe M. und sein Freund gegen das alkoholisierte Duo wehrten, war der Staatsanwaltschaft zufolge gerechtfertigt.

Angeklagter bestreitet tödliche Hetzjagd

Die Prügelei und Pöbelei hatten die beiden Schläger eingeräumt. Eine tödliche Hetzjagd hatte der 21-Jährige aber bestritten. Der 22 Jahre alte Mitangeklagte war verletzt im U-Bahnhof zurückgeblieben. Beide hatten sich später der Polizei gestellt. Sie waren den Ermittlern bereits wegen Raubdelikten und Körperverletzung bekannt.

Der Tod von Giuseppe M. im September 2011 hatte in der Stadt große Anteilnahme ausgelöst. Wochenlang wurden an der Unfallstelle Blumen niedergelegt, Hunderte folgten dem Trauerzug für den 23-Jährigen. In Berliner U-Bahnhöfen oder an Haltestellen kommt es immer wieder zu Gewaltattacken, bei denen Menschen zufällig zu Opfern werden. Dieser Fall war der erste mit tödlichem Ausgang.

Zuletzt hatte das Urteil gegen einen Gymnasiasten für Empörung gesorgt: Nach einer Gewaltorgie gegen einen Handwerker im U-Bahnhof Friedrichstraße war der Schüler im September zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt worden. Er blieb aber auf freiem Fuß und konnte sich weiter auf sein Abitur vorbereiten, weil das Urteil noch nicht rechtskräftig ist.

© Süddeutsche.de/dpa/jobr/olkl/rus
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